Ausgabe: 12 / 2007
Seite: 81

Aus dem Garten in die Abstraktion

Von Petra Bosetti

Das Von-der-Heydt-Museum führt den französischen Maler als radikal Modernen vor WUPPERTAL: RENOIR UND DIE LANDSCHAFT DES IMPRESSIONISMUS

Raus aus den Ateliers! Die Meister der Klassischen Moderne zog es hinaus in die freie Natur, wo die Sonne die Farben glühen ließ, die Atmosphäre die eigentümlichsten Lichtwirkungen erzeugte, wo sie spontan die Eindrücke des flüchtigen Augenblicks festhalten konnten. Ob Impressionisten, später die Postimpressionisten oder die Maler der Schule von Barbizon - die Landschaft hat die Maler um die Jahrhundertwende immer wieder fasziniert.

Auch die Großstadtmenschen von heute können sich dieser Begeisterung für die Natur nicht entziehen. Als etwa die Kunsthalle Bremen 2002 die Landschaftsbilder Vincent van Goghs zeigte, wurde die Schau mit 322 000 Besuchern nicht nur die erfolgreichste Ausstellung in der Geschichte des Hauses, sondern die meistbesuchte der Jahre 2002/03 in den deutschsprachigen Ländern. Zur Präsentation "Im Garten von Max Liebermann" 2004 in der Hamburger Kunsthalle, die zeigte, wie der deutsche Impressionist immer wieder seinen eigenen Garten am Berliner Wannsee thematisiert hatte (art 9/2007), kamen 112 000 Besucher. Das Kunsthaus Zürich verlängerte 2005 die Ausstellung "Monets Garten" um zwei Wochen, da jeden Tag rund 1700 Besucher (insgesamt 224 000) die Ausstellung sehen wollten. Ein ähnlicher Erfolg könnte nun dem Wuppertaler Von-der-Heydt- Museum ins Haus stehen, denn wieder einmal ist die Landschaftsmalerei des Impressionismus Thema einer großen Schau.

Ein Maler, von dem man es allerdings nicht erwartet hätte - denn er wurde vor allem durch seine Bildnisse marzipanhäutiger, anmutiger Frauen berühmt - steht in ihrem Mittelpunkt: Auguste Renoir (1841 bis 1919).

14 Monate lang bereitete Gerhard Finckh, Direktor des Hauses, die Ausstellung "Renoir und die Landschaft des Impressionismus" vor, zu der er - neben etlichen Werken aus der hauseigenen Sammlung - über 60 Leihgaben nach Wuppertal holte. Zu den Werken Renoirs werden auch Arbeiten von Künstlerkollegen wie Gustave Courbet, Camille Corot und Edouard Manet gezeigt.

Einigen wenigen, noch stark dem Gegenstand verpflichteten Frühwerken Renoirs steht ein reiches Konvolut von späten Arbeiten gegenüber. In ihnen manifestiert sich seine Virtuosität, denn die reale Landschaft tritt hinter einer reinen Malerei der Farbe und der Atmosphäre zurück - die Ausstellung will die radikale Modernität Renoirs vorführen, die direkt in die Abstraktion zu führen scheint.

Termin: bis 27. Januar 2008. Katalog: 25 Euro.

Internet: www.renoir-ausstellung.de

Reale Natur tritt hinter die Farbe zurück: Renoirs "Landschaft mit Badenden" (um 1885, 32 x 41 cm)