Ausgabe: 12 / 2007
Seite: 146
NACHGEFRAGT
Von
Bertram Nickolay, 54, Leiter der Abteilung Sicherheitstechnik am Berliner Fraunhofer Institut, will die Suche nach gestohlener Kunst vereinfachen. Ab 2008 sollen ein Fotohandy und eine entsprechend programmierte Datenbank genügen, um zu überprüfen, ob ein Werk als gestohlen gilt.
Ingenieure interessieren sich für gestohlene Kunst?
Auf das Thema sind wir auf einer Messe gestoßen, wo wir unsere Forschungen zur Mustererkennung präsentierten. Dort sprach uns ein Kriminologe an - wir hätten ja das Know-how, Gemälde zu identifizieren, nur das Equipment sei zu schwerfällig.
Als dann die Fotohandys aufkamen, fiel das Problem weg: Das sind portable Rechner mit Kamera und Netzanschluss.
Wie werden die Bilder identifiziert?
Grob vereinfacht läuft der Datenbankabgleich über drei Merkmalsgruppen: Farbe und ihre Verteilung, Striche und Konturen, Formen und Texturen. Die menschliche Wahrnehmung funktioniert ähnlich.
Welche Werke hatten Sie im Test?
Mehrere Hundert aus einer Interpol-Datei.
Da gab es Rembrandt, Renoir, Kirchner.
Welche Anwender haben Sie im Sinn?
Primär Kriminalbeamte, aber das ist auch für Versicherer und Sammler interessant.
Ist die klassische Kunstfahndung damit überflüssig ?
Ganz sicher nicht: Im zweiten Schritt wird weiterhin ein Experte benötigt.
