Ausgabe: 12 / 2007
Seite: 145

Offenes Haus für die Kunst

Von Adrienne Braun

Ulm: Sammlerfamilie eröffnet Privatmuseum

Die Devise, die Siegfried Weishaupt für die Eröffnung gewählt hat, klingt unspektakulär: "Einfach sehen." Unter diesem Titel will der Sammler der Öffentlichkeit zeigen, was er seit 40 Jahren zusammengetragen hat. In Ulm haben Siegfried und Jutta Weishaupt eine Kunsthalle eröffnet - und zwar in bester Lage.

Mit dem Bau des Münchner Architekten Wolfram Wöhr ist die neue Mitte Ulms komplett; das Museum steht in nächster Nähe zu den beiden Bauten von Stephan Braunfels, der Zentralbibliothek Gottfried Böhms und dem Stadthaus von Richard Meier.

Siegfried Weishaupt wollte zunächst auch Meier engagieren, der ihm bereits am Firmensitz in Schwendi südlich von Ulm ein Verwaltungsgebäude entwarf, hat sich aber doch für dessen Schüler Wöhr entschieden. Zweimal Meier am Ort ginge nicht, sagt er. Wöhr hat das realisiert, was dem Sammler wichtig war: Architektur, die "nicht für sich beansprucht, eine Skulptur zu sein, sondern der Kunst Raum gibt".

Entstanden ist ein lang gestreckter Kubus mit hoher Schaufront.

Und auch das zurückgesetzte Foyer will mit seiner Rundumverglasung signalisieren, dass die Kunsthalle Weishaupt ein offenes Haus für alle sein will. Zur Eröffnung zeigt der Hausherr einen Querschnitt durch seine Sammlung, die "einige Hundert Arbeiten" umfasst und von der amerikanischen Farbfeldmalerei bis in die Gegenwartskunst reicht.

Werk komplexe der Pop Art, Zero und Op Art sind ebenso vertreten wie Rauminstallationen von Nam June Paik und Skulpturen von Tony Cragg. Ein Schwerpunkt der Sammlung liegt zudem auf dem Werk des US-Multimediakünstlers Robert Longo.

Mehr als zehn Millionen Euro hat Weishaupt sich die Kunsthalle kosten lassen. Die Stadt stellt Grund und Boden, das Aufsichtspersonal und beteiligt sich an den Kosten für den technischen Betrieb.

Weishaupt ist an einer engen Zusammenarbeit mit der Stadt gelegen, denkbar sei deshalb, dass sie auch eigene Ausstellungen in seinen Räumen präsentiert. Schon jetzt organisiert das Ulmer Museum die Führungen durch das Privatmuseum.

Während sich Weishaupt weiterhin hauptberuflich dem Familienbetrieb für Feuerungstechnik widmet, wird die Kunsthalle von der Tochter betreut. Kathrin Weishaupt-Theopold ist Kunsthistorikerin und wird die Ausstellungen planen. Siegfried Weishaupt will sich "auf keinen Fall" ins kuratorische Geschäft einmischen.

"Ich weiß, was ich kann und was nicht", sagt er.

Internet: www.kunsthalle-weishaupt.de

Die neue Kunsthalle der Weishaupts in der Ulmer Innenstadt

Jutta und Siegfried Weishaupt mit Tochter Kathrin, der Museumsdirektorin