Ausgabe: 12 / 2007
Seite: 139
Wer bekommt Schloss Salem?
Von Adrienne Braun
Verkauf: Haus Baden muss Schulden begleichen
Geldnöte plagen das Haus Baden schon lange. Auf 30 Millionen Euro sollen sich die Schulden belaufen. Nun machen die Banken Druck, das Moratorium läuft Ende des Jahres aus. Deshalb hat Prinz Bernhard von Baden beschlossen, Schloss Salem zu verkaufen. Eine Immobilienfirma ist schon beauftragt. Die Drohung, dass ein ausländischer Investor das ehemalige Zisterzienserkloster am Bodensee kaufen könnte, hat prompt Wirkung gezeigt.
Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger will dem Landtag raten, rasch zu handeln. Das heißt im Klartext: Entweder wird das Land Salem übernehmen, oder es geht in eine Stiftung ein.
Schon 2006 hatte das Haus Baden versucht, sich von dem kostenintensiven Ensemble zu trennen, was allerdings mit einem Eklat endete: Man wollte dem Land Kunstschätze im Wert von 300 Millionen Euro überlassen, die Markgrafenfamilie sollte im Gegenzug 30 Millionen Euro bekommen, um die Schulden zu tilgen, während weitere 40 Millionen für den Unterhalt von Schloss Salem in eine Stiftung geflossen wären. Der Handel platzte, als sich herausstellte, dass etliche der angebotenen Kunstwerke dem Land schon gehörten.
Eine Expertenkommission, die die Eigentumsverhältnisse klären soll, hat ihren Bericht bisher nicht vorgelegt. Der Erbprinz seinerseits will schon länger diese leidigen Eigentumsfragen von der Entscheidung um Salem abkoppeln.
Und nun scheint auch das Land auf seinen Kurs einzuschwenken: Immer hin will die Landesregierung Informationen über den Wert der Immobilie Salem einholen. Auf dem rund 25 Hektar großen Areal sind derzeit das Elite-Internat Schloss Salem, kulturhistorische Museen, Handwerksbetriebe und Gastronomie untergebracht. Wenn klar ist, was Salem wert ist, soll entschieden werden, was mit der Anlage passiert.
Am bestens sei es, so Oettinger, wenn "Salem nicht allein von staatlichen Geldern abhängig ist".
