Ausgabe: 12 / 2007
Seite: 143

"Ich arbeite hart und kaufe viel"

Von Camilla Pus

Service: Kunstberaterin Kim Heirston shoppt auch in Miami

Kunstexpertin ist sie, Finanzanalystin, Kontakterin - und der Popstar in der rasant wachsenden Liga der Art Advisor. Seit 1992 berät Kim Heirston vermögende Sammler auf Messen wie der "Art Basel Miami Beach" beim Kunstkauf. 1995 riet die 44-jährige Yale-Absolventin einem Kunden, ein Formaldehyd-Schaf von Damien Hirst zu kaufen - für 45 000 Dollar. 2006 wurde das Werk bei Christie's für 3,4 Millionen Dollar versteigert. art: Wer wartet auf der "Art Basel Miami Beach" auf Ihren Rat?

Heirston: Ein Dutzend meiner wichtigsten Kunden - Hedge Fund-Millionäre und Hollywood- Mogule, aber auch Kreative wie der Autor Salman Rushdie und die Modedesignerin Kate Spade.

Wie bereiten Sie sich vor?

Schon vor Wochen habe ich nahezu alle Galerien kontaktiert, um herauszufinden, welche Schätze sie mitbringen.

Was macht Sie unersetzlich?

Wenn ein Kunde Interesse an einem Stück anmeldet, reserviere ich es und habe als erste Zugriff darauf. Selbst wenn jemand vor mir am Stand ist und sein Geld hinblättert, nützt das nichts. Ich vermittle eben nicht nur Kunstwissen, sondern auch exzellente Kontakte und "access" - den Zugang zu den besten Arbeiten.

Raten Sie Kunden auch mal von einem Kauf ab?

Oh ja, ständig. Besonders seit der Markt so aufgeheizt ist, sage ich häufiger "nein".

Wenn ein Deal zustande kommt, berechnen Sie der Galerie zehn Prozent vom Verkaufspreis des Kunstwerks als Vermittlungsgebühr.

Wie finanzieren sie davon Ihren glamourösen Lebensstil?

Glamourös? Ich weiß nicht, was Sie meinen. Ich arbeite hart und kaufe viel. Und ich bin seit drei Jahren mit einem australischen Bauunternehmer verheiratet.

In Amerika ist es schick, sich von Spezialisten beraten zu lassen.

Man lässt sich komplett ein richten und die Kunstsammlung zusammenkaufen.

Haben Sie auch deutsche Kunden?

Nein, komischerweise nicht. Sie sind skeptisch gegenüber Kunstberatern.

Ich glaube, die Deutschen schmücken sich damit, dass sie das Sammeln selbst in die Hand nehmen. Ich hoffe, ich beleidige jetzt keine ganze Nation, aber sie scheinen sich zwanghaft eine Unabhängigkeit bewahren zu wollen.

Glauben Sie, dass in zehn Jahren noch über die Leipziger Schule gesprochen wird? Über Neo Rauch oder Matthias Weischer? Das sind gute Künstler.

Aber in zehn Jahren wird man kaum mehr über sie sprechen. Die Geschichte zeigt, dass aus jeder Kunstbewegung zwei, drei Leute hängen bleiben. Ich befürchte, dass die Anzahl der Künstler, die aus der Masse hervorstechen, abnimmt, je schnelllebiger die Bewegungen werden.

Das komplette Interwiew finden Sie auf www.art-magazin.de

Kunstkauf unter Palmen: Kim Heirston berät auch dieses Jahr wieder Sammler auf der "Art Basel Miami Beach"

CAMILLA PÉUS