Ausgabe: 12 / 2007
Seite: 134
"Es gibt kein Breitbandrezept"
Von
Wärmedämmung: Nach Alternativen suchen
Mit Albert Schett, Denkmalpfleger und Mitglied der Arbeitsgruppe Klimaschutz des Hamburger Senats, sprach art-Autor Boris Hohmeyer über Wärmedämmung und Alternativen dazu. art: Wie weit gilt die Energieeinsparverordnung auch für historische Gebäude?
Schett: Denkmäler sind von ihren Vorschriften ausgenommen. Das ist gut. Aber die Verordnung schafft ein Zwei-Klassen-Recht: Klasse eins bilden die gedämmten Gebäude, Klasse zwei die ungedämmten, die einen erhöhten Energiebedarf haben und dadurch schwerer Nutzer finden.
Wie lässt sich dieses Problem lösen?
Man muss im Bereich der Haustechnik nach Alternativen suchen.
Dazu gehört unter anderem eine Strahlungsheizung, eine Fußbodenoder Wandheizung, statt des weniger effizienten üblichen Prinzips, bei dem erwärmte Luft im Raum zirkuliert. Ein großes Einsparpotenzial liegt im Umstellen alter Heizsysteme auf moderne Brennwerttechnik.
Außerdem vertragen verdeckte Flächen sehr wohl Dämmung, etwa unter dem Dach oder unter der Kellerdecke, eventuell auch die Rückfront.
Generell ist sehr genau zu prüfen, welche Technik für welchen Bau taugt. Es gibt da kein Breitbandrezept.
Gibt es unter den Dämmstoffen größere und kleinere Übel?
Bei allem, was großflächig auf der Fassade befestigt ist, wird die historische Substanz geschädigt, wenn man es irgendwann wieder ablösen muss. Styropore etwa werden normalerweise geklebt. Besser sind große Platten aus Mineralwolle, die an Schienen verankert sind und sich bei Bedarf auch leicht austauschen lassen.
Wie lang hält so etwas?
Bei einem geklebten Wärmedämm-Verbundsystem würde ich schätzen, 20 bis 30 Jahre, dann lässt die Haftfähigkeit nach. Die längste Erfahrung haben wir mit fast 30 Jahre alten Beispielen, die noch immer unproblematisch sind, aber wir kennen auch Fälle, wo sich wegen handwerklicher Fehler die Dämmung in kürzester Zeit wieder gelöst hat. Dickes Styropor zieht außerdem Eichhörnchen und Spechte an - die bauen sich da im vierten Stock ein Loft.
Denkmalpfleger Albert Schett
