Ausgabe: 12 / 2007
Seite: 136

School's out

Von Michael Kohler

School's out

Finanzkrise: Zollverein Design School steht vor dem Aus

Statt kleiner Schrauben sollte das ganz große Rad am Rande der Zeche Zollverein gedreht werden. Auf dem Gelände einer abgerissenen Eisenwarenfabrik wurde der spektakuläre Würfel des japanischen Architekturbüros SANAA errichtet, mit der darin angesiedelten Zollverein School of Management and Design schien Essen endgültig zum internationalen Designzentrum aufzusteigen.

17 Millionen Euro haben die Stadt, das Land Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union in das Prestigeobjekt gesteckt.

Jetzt zeigt sich nach gerade knapp zwei Jahren, dass die Schulkonstruktion nicht nur in architektonischer Hinsicht sehr ehrgeizig ge raten ist. Lediglich 15 Absolventen waren bereit, über 20 000 Euro Studiengebühren zu zahlen.

Viel zu wenig Schüler, um die Kosten des laufenden Betriebs auch nur annähernd zu decken.

So teuer diese Fehleinschätzung die öffentliche Hand zu stehen kommt, skandalös wird sie erst dadurch, dass Landesregierung und Gesellschafter eine weltfremde Geschäftsprognose offenbar nach dem Prinzip Hoffnung abgesegnet haben. In einer Machbarkeitsstudie wurde mit jährlichen Betriebskosten für das SANAAGebäude von 100 000 Euro und Einnahmen aus drei Studiengängen kalkuliert. Gründungspräsident Ralph Bruder übergab seinem Nachfolger Andrej Kupetz bei der Eröffnung jedoch ein im Betrieb vier Mal so teures Haus, das zudem nur Gelder aus einem einzigen Studiengang erwirtschaftete.

Schon am ersten Schultag muss also allen Beteiligten klar gewesen sein, dass die bis zum Ende des Jahres angestrebte Kostendeckung nicht zu schaffen ist. Trotzdem ließ sich das Wissenschaftsministerium lange Zeit, um auf die unausweichliche Existenzkrise zu reagieren. Zu lange für Kupetz, der mit seinen Konsolidierungsvorschlägen nicht durchdringen konnte und mittlerweile als Präsident der Design School zurückgetreten ist: "Der Förderzeitraum war einfach zu kurz bemessen, um ein Projekt dieser Größenordnung im Markt zu verankern." Die Suche aber nach einem zukunftsfähigen Konzept wird vor allem durch das Trägermodell der Design School erschwert, in dem private Investoren kaum zum Zuge kommen können. Da bei einer allzu radikalen Umwidmung die Rückzahlung von EUFördermitteln droht, ist selbst ein Umzug des De sign-Studiengangs der Essener Folkwang- Hochschule in das Gebäude von SANAA im Gespräch. Diese dürfte sich dann zwar mit einem schönen Campus schmücken, die ursprüngliche Idee einer berufsbegleitenden Schule für Führungskräfte der Kreativwirtschaft bliebe aber auf der Strecke.

Am Ende könnte sich deshalb die Eingliederung der Design School in das benachbarte Design- Zentrum als Rettungsanker erweisen - ein entsprechendes Angebot zum symbolischen Kaufpreis von einem Euro bei Übernahme sämtlicher Verbindlichkeiten durch die öffentliche Hand liegt bereits vor. Für diese etwas delikate Lösung spricht zudem auch, dass damit der Verbleib des privat finanzierten und angesehenen Design-Zentrums auf Zollverein wohl weiterhin gesichert wäre. Denn dessen Leiter Peter Zec trug sich nicht zuletzt auch wegen der staatlich geförderten Konkurrenz vor seiner Haustür schon seit einiger Zeit mit Abwanderungsgedanken.

Informationen zur Krise in Essen: www.art-magazin.de

Nur noch bis Ende dieses Jahres ist die Finanzierung der Zollverein Design School gesichert - Präsident Andrej Kupetz trat bereits zurück

Gewinner:

Peter Zec