Ausgabe: 12 / 2007
Seite: 137

Klare Sicht durch Großattrappe

Von Susanne Altmann

Architektur: Streit um geplante Dresdner Kunsthalle

Noch ist die Diskussion um den Bau der umstrittenen Waldschlösschenbrücke nicht beendet, da entbrennt in Dresden bereits die nächste hitzige Architekturdebatte. Einen Steinwurf von der Frauenkirche entfernt soll mit dem neuen Gewandhaus ein modernes Gebäude errichtet werden - inmitten der historisieren den Neubebauung des Neumarkt- Areals. Das Stuttgarter Architektenpaar Jelena Bozic und Peter Cheret gewann im Mai den Wettbewerb des holländischen Investors Kondor Wessels. Sofort nach Veröffentlichung des Entwurfs hagelte es Kritik an der vermeintlichen Verschandelung des Platzes. Stefan Klunker vom eilig gegründeten "Bürgerbündnis Stadtbild Dresden" spricht von einem "unsäglichen Wettbewerb" und von einem "entsetzlichen Siegerentwurf".

Auch die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden e.V. startete eine Kampagne gegen das Bauvorhaben und fordert, die entsprechende Stelle im Sinne "traditioneller Sichtachsen" unbebaut zu lassen. Dabei hatte dort bis 1791 das Gewandhaus mit seinen Tuchhallen und Fleischbänken gestanden.

2002 beschloss der Dresdner Stadtrat eine Neuauflage des Bauwerks.

Bevor die Stadt das lukrative Grundstück jedoch an einen Investor veräußert, sollte dieser Planungen für ein öffentlich nutzbares Objekt vorlegen. Die Unternehmensgruppe Kondor Wessels reagierte mit einem Architekturwettbewerb und einer Konzeption, die eine private Sammlerkunsthalle mit zeitgenössischer Kunst vorsieht. Doch um eine endgültige Entscheidung treffen zu können, verlangt der gespaltene Stadtrat nun nach einer 1:1- Visualisierung. Darum wird für stolze 165 000 Euro vor Ort ein Fassadengerüst errichtet, das die Vision von Cheret & Bozic spiegeln soll.

Bei diesem aktuellen Streitfall kommen Erinnerungen an das Jahr 1991 auf: Damals verzichtete die Stadt auf die Ansiedlung der Kunstsammlung von Rolf und Erika Hoffmann, weil ihr der dazu gehörige Museumsentwurf von Frank Stella nicht behagte. So viel Moderne, hieß es damals, könne der nahe gelegene Zwinger nicht verkraften. Die Hoffmanns gingen nach Berlin und das besagte Dresdner Grundstück liegt noch heute brach.

Strittig: geplante Kunsthalle (Entwurf vom Büro Cheret & Bozic) nahe der Dresdner Frauenkirche (Simulation)