Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 128

Exzentrischer Forscher

Von U V R

Aby Warburg - Wegbereiter der Kulturwissenschaft

Er sei "Jude von Geburt, Hamburger vom Herzen, im Geiste Florentiner" - so hat sich Aby Warburg (1866 bis 1929), Kunsthistoriker und Privatgelehrter, selbst beschrieben. Der älteste Sohn des Hamburger Bankiers Moritz Warburg nutzte die Finanzen seiner Familie für den Aufbau einer einzigartigen kulturwissenschaftlichen Forschungsbibliothek in seiner Heimatstadt:

Für die Zusage, jedes benötigte Buch zu bezahlen, überließ Aby dem jüngeren Bruder Max seine Rechte an der Bank. Rund 60 000 Bände hatte Warburg bis zu seinem Tod 1929 zusammengetragen.

Als jüdische Institution geriet die Bibliothek gleich bei Machtergreifung der Nazis unter Druck, konnte aber noch 1933 mit englischer Unterstützung nach London gebracht werden.

Karen Michels, ausgewiesene Warburg-Expertin, liefert ein detailreiches Porträt des Wissenschaftlers.

Der Kunsthistoriker Martin Warnke gibt Einblicke in die Stationen eines exzentrischen Forscherlebens. Abgerundet wird das Buch durch viele bisher unveröffentlichte Fotografien, die Warburg auch in seinem familiären Umfeld zeigen. U. v. R.

Christian Olearius (Hrsg.): Karen Michels - Aby Warburg. Im Bannkreis der Ideen. Verlag C. H. Beck. 128 S., 47 Abb., 19,90 Euro

Aby Warburg (1906)