Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 118
China reizt die "Boygroup"
Von Susanne Altmann
Projekt: Kulturexport aus Berlin, Dresden und München
Die drei deutschen Staatsgemäldesammlungen Berlin, München und Dresden planen einen großen Kulturexport nach China. Wenn in Peking 2010 das neue Nationalmuseum eröffnet, sollen Werke aus diesen drei Museen dort langfristig gezeigt werden und den Chinesen Einblick in europäische Kunstgeschichte geben. art-Korrespondentin sprach mit Martin Roth, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, über das Projekt.
Das neue chinesische Nationalmuseum wird von Meinhard von Gerkan gebaut. Muss der nun für die Kunst werke aus Deutschland eine Etage aufstocken?
Die Frage würde ich gern mit "ja" beantworten. Aber weit gefehlt.
Das Museum hat jetzt schon irrwitzige Ausmaße. Bei fast 180 000 Quadratmetern Gesamtfläche ist eine ganze Galerie langfristig für Importe vorgesehen, und wir sind die Ersten, die sie bespielen dürfen.
Was war der Auslöser für ihr China- Projekt? Über eine Kooperation mit chinesischen Museen denke ich seit dem Besuch von Staatspräsident Jiang Zemin 2002 in Dresden nach.
Der hat Türen geöffnet und ich bekam den Auftrag, eine Delegation von deutschen Museumskollegen zusammenzustellen.
Aus dieser noblen "Boygroup" hat sich die aktuelle Initiative mit meinen Direktorenkollegen Peter-Klaus Schuster aus Berlin und Reinhold Baumstark aus München entwickelt.
Der Impuls ging von Dresden aus und wurde durch die Offenheit der Chinesen verstärkt.
Wieso sind Sie überzeugt, dass die Chinesen westliche Kultur brauchen?
Das habe ich fast wörtlich den chinesischen Kulturattaché Dong Junxin gefragt. Der erwiderte, dass sich die jüngere Generation extrem für Weltkunstgeschichte interessiere, zumal für Originale, zu denen sie geschichtsbedingt lange keinen Zugang hatten.
Geht es nicht auch um einen westlichen Wertetransfer, den die historische Bildkunst leisten soll, taugt sie überhaupt zum erzieherischen Bilderbogen für die Kinder der Kulturrevolution?
Ich weiß nicht genau, wie die Chinesen unsere Bildwelten interpretieren werden. Aber die Aussicht, am Platz des Himmlischen Friedens eine Ausstellung über die europäische Aufklärung zu zeigen, reizt schon. Da erübrigt sich doch die stereotype Frage, ob ich bei meinen Besuchen auch die Menschenrechte anspreche.
Wie soll das alles denn finanziert werden?
Zwar arbeiten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nicht mit Leihgebühren in Millionenhöhe wie der Louvre in Abu Dhabi, aber bei solchen Kooperationen gibt es meist mehrere Gewinner. Wir werden aber auf keinen Fall draufzahlen. Was Peking betrifft, so laufen derzeit gute Gespräche mit Vermittlern aus der Wirtschaft.
Generaldirektor Martin Roth
