Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 121

Die Rache der Präsidentin

Von Almuth Spiegler

Krach: Vorgezogene Wahlen in der Wiener Secession

Die Wiener Secession, Österreichs renommierteste Künstlervereinigung, kommt nicht zur Ruhe: Nachdem im vorigen Jahr die Führungsriege rund um den langjährigen Präsidenten und Fotokünstler Matthias Herrmann abgewählt wurde und daraufhin großteils austrat, ist nur wenige Monate später bereits seine Nachfolgerin, die neue Secession-Chefin Barbara Holub, Zielscheibe scharfer Kritik: Aus Protest gegen den für viele ihrer früheren Mitstreiter überraschend "autoritären Führungsstil" der gebürtigen Stuttgarterin traten acht Mitglieder ihres 14-köpfigen Vorstands zurück und lähmten so nach Vereinsstatuten die Beschlusskraft.

Erst nach den üblichen Wiener Intrigen und gegenseitigen öffentlichen Vorwürfen, berief Holub eine vorgezogene Generalversammlung ein: Der Ausgang der Abstimmung war für die erste Frau an der Spitze der traditionsreichen Institution wenig schmeichelhaft: Eine große Mehrheit sprach sich für vorgezogenen Neuwahlen Anfang Dezember aus - regulär hätte erst im Mai 2008 wieder über das Präsidentenamt entschieden werden müssen. Um die Handlungsfähigkeit bis zur Neuwahl sicherzustellen, berief die Generalversammlung provisorisch drei neue Vorstandsmitglieder.

Holubs Rache folgte rasch: Einen Tag nach der Abstimmung verwies sie Geschäftsführerin Henrike Brandstötter wegen "illoyalen Verhaltens" des Hauses. Die verunsicherte Belegschaft nahm die Entwicklung zum Anlass, einen Betriebsrat zu gründen, und machte die ebenfalls von der Secession- Chefin wenig geschätzte Pressesprecherin Urte Schmitt- Ulms zur unkündbaren Betriebsrätin.

Ob Holub im Dezember wieder kandidieren wird, darüber schweigt sie.

Umstrittene Chefin: Barbara Holub