Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 119

Der Störfaktor

Von Adrienne Braun

KOMMENTAR

Eine Kunst hat Rolf Lauter immer schon beherrscht: sich Feinde zu machen. Als er 2002 die Kunsthalle Mannheim übernahm, verkündete er: "Ich verstehe mich als Störfaktor" - und machte ernst. Durch Alleingänge brachte er seine Mitarbeiter gegen sich auf. Doch Konflikte gehören bei Führungswechseln dazu. So drückte die Stadt auch ein Auge zu, als Lauter eine halbe Million Euro außerplanmäßig ausgab - er habe nicht gewusst, dass er den Gemeinderat hätte informieren müssen, sagte er und schaffte es, die Summe mit Spendengeldern reinzuholen. Richtig rund ist der Betrieb mit Lauter aber nie gelaufen, immer wieder überzog er den Etat, die Besucherzahlen sanken. Eine Situation, die für jede Stadt ein Debakel ist:

Sie muss zusehen, wie ihr Museum zunehmend in die Krise gerät, darf dem Direktor aber auch nicht zu stark reinregieren, weil das dem Image einer kunstsinnigen Stadt schadet. So setzte man Lauter schließlich eine Geschäftsführerin an die Seite und ermahnte ihn. Lauter aber ließ die Kritik an sich abprallen und brüstete sich, er habe die Kunsthalle "in aller Welt bekannt gemacht".

Inzwischen muss man ihm Recht geben. Er hat sein Haus mehrfach in die Schlagzeilen gebracht: 2006 wegen eines gestohlenen Spitzweg-Gemäldes.

In diesem Jahr musste er die Sonderschau "Goya - Manet - Picasso" zum hundertsten Geburtstag der Kunsthalle absagen - Sicherheitsprobleme. Daraufhin hat der Oberbürgermeister den Beamten Lauter strafversetzt ins Kulturamt. "Endlich", jubelt die Lokalpresse, aber die Besonnenheit war richtig. Nur eines kann man der Stadt vorwerfen: Sie hätte die Kunsthalle bei Zeiten sicherheitstechnisch auf den aktuellen Stand bringen müssen.

Erfolgreicher wäre Lauter dadurch nicht gewesen, aber der Schaden hätte sich in Grenzen gehalten.