Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 121

"Herumfahren - nicht darüber"

Von Claudia Bodin

Kulturgüter: Spielkarten sollen US-Soldaten sensibilisieren

Soldaten mit Pokerkarten auszurüsten, die neben Bube, Dame, König und Ass auch militärisch interessante Motive zeigen, hat in Amerika Tradition. Im Zweiten Weltkrieg verteilte das US-Militär Spielkarten mit Bildern von Kampfflugzeugen.

Vor vier Jahren druckte das Pentagon Steckbriefe von Saddam Husseins flüchtigen Regierungsbeamten im Kleinformat. Nun stattet das Verteidigungsministerium seine Truppen in Irak und Afghanistan mit 40 000 Kartenspielen aus, die helfen sollen, die Soldaten für das Kulturerbe der Länder zu sensibilisieren. Die US-Truppen haben bei Einsätzen oft Kulturschätze beschädigt oder versäumt, sie zu schützen. Die Wahrung des Kulturguts trägt "ausschlaggebend zum Erfolg einer Mission" bei, verkündet jetzt das Pentagon in später Einsicht.

Neben Bildern von historischen Stätten wie Babylon und Nimrud werden auf den Karten antike Gefäße abgebildet, auch um die Soldaten vom illegalem Handel mit Fundstücken abzuhalten.

Ansonsten sind hilfreiche Hinweise zu lesen wie: "Um archäologische Stätten herumfahren - und nicht darüber." Die Kreuz-Sieben-Karte etwa zeigt die Ruine des antiken Sassanidenpalastes in Ktesiphon - 35 Kilometer von Bagdad entfernt - mit seinem berühmten gigantischen Ziegelsteinbogen. "Diese Stätte hat über 17 Jahrhunderte überstanden.

Wird sie Dich überleben?", lautet der dazugehörige Text. Eine andere Karte mit dem Bild des Minaretts von Samarra warnt: "Respektiere Ruinen, wann immer es möglich ist." "Neben der Spielkartenaktion finden aber auch Übungen in den Trainingscamps statt, bei denen die Soldaten lernen, "Stellung zu beziehen, ohne Kulturstätten zu beschädigen", sagt Laurie Rush, Kulturbeauftragte des Verteidigungsministeriums.

Die Archäologin bedauert, dass die Initiative so spät gestartet wurde. "Der Schaden ist schon enorm."

Auf Spielkarten erhalten US-Soldaten gute Ratschläge für den Umgang mit fremden Kulturgütern