Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 120

Stifters "Privatunternehmen"

Von Axel Hecht

Streitfall: Museum Schloss Moyland braucht einen Direktor

Kein Haus scheint weniger geeignet, Leben und Werk von Joseph Beuys (1921 bis 1986) zu bewahren und zu erforschen als der ungeschlachte, im Tudor-Stil prunkende Bau von Schloss Moyland am Niederrhein. Richtig erfolgreich ist das Museum Schloss Moyland auch nie gewesen. Jetzt ist nach lange schwelendem Misstrauen zwischen den Stiftern und dem Land Nordrhein Westfalen ein offener Streit ausgebrochen:

Erst zogen die van der Grinten in einer Presseerklärung über die Landespolitiker her, die angeblich die Satzung der Museumsstiftung zu Ungunsten der Stifter verändern wollten. Dann sagte ein gekränkter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers seinen geplanten Besuch in Moyland ab.

Einst hatten die Brüder Hans und Franz Joseph van der Grinten die erhebliche Sammlung von Werken ihres Freundes Joseph Beuys - vor allem Arbeiten auf Papier - sowie ein umfangreiches Beuys-Archiv eingebracht. Adrian Baron von Steengracht steuerte das im Zweiten Weltkrieg zerbombte Schloss Moyland bei.

Der damalige Landesvater Johannes Rau übernahm die Kosten für Aufbau sowie Umwidmung der Immobilie und sicherte den Großteil der Folgekosten. Es war sein teuerster Ablasshandel: Weil "Bruder Johannes" als junger Wissenschaftsminister den Kunstprofessor Beuys 1972 wegen allzu liberalen Aufnahmegebarens von der Düsseldorfer Akademie verwiesen hatte, tat er als Ministerpräsident Buße. Knapp 65 Millionen Mark flossen in den Museumsbau. Der jetzt ausgebrochene Streit wurde bereits im Stiftungsvertrag vom Juli 1990 begründet: Vereinbart wurde zwischen den van der Grinten, dem Schlossherren von Steengracht und dem Land eine Drittelparität.

Zwar zahlt das Land 80 Prozent der Kosten, doch zu entscheiden hat es wenig.

Auch sonst rührte sich Kritik:

Rudolf Kersting, einst Vorsitzender des Freundeskreises, trat 2005 vom Amt zurück, weil er nicht mehr ein öffentlich finanziertes Museum fördern könne, das "von den Stifterfamilien von der Grinten und ihrem engsten Freundeskreis quasi als Privatunternehmen betrachtet" werde. Nun ist es an Hans-Heinrich Grosse- Brockhoff, Kulturstaatssekretär, das Terrain für einen neuen Direktor auf Moyland zu bereinigen.

Der letzte ging 2005. Der Staatssekretär muss auch aus fiskalischer Fürsorge eingreifen, wird Moyland doch mit stattlichen 2,3 Millionen Euro jährlich vom Land gefördert.

Franz Joseph van der Grinten, sein Bruder Hans sowie Eva und Joseph Beuys 1961 (von links)