Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 122

Heilige Leiden in edlem Marmor

Von Ute Diehl

Eröffnung: Spoletos neues Museum für Alte Kunst

Fast 20 Jahre dauerte die Sanierung der gewaltigen, hoch über dem umbrischen Spoleto gelegenen Festung. Doch nun endlich konnte in der 1354 errichteten Burg das Museo Nazionale del Ducato di Spoleto eröffnet werden. Zu sehen sind Kunstwerke aus dem 3. bis 14. Jahrhundert, ein Großteil stammt aus der Zeit, als Spoleto ein Herzogtum der Langobarden war.

Gezeigt werden architektonische Fragmente wie Kapitelle und Friese, Marmorplatten mit der Reliefdarstellung von Reitern, steinerne Löwen, die einst vor den romanischen Kirchen Wacht hielten, abgenommene Fresken, Skulpturen, bemalte Holzfiguren, Tafelbilder und Goldschmuck - lauter erstklassige Objekte, die endlich aus verschiedenen Depots Umbriens zusammen getragen wurden.

Eines der eindrucksvollsten Ausstellungsstücke stammt von einem unbekannten umbrischen Bildhauer, der am Ende des 12.

Jahrhunderts die Legende des Heiligen Blasius in Marmor meißelte:

Das weiße, über zwei Meter lange Flachrelief zeigt den gefesselten Heiligen, seine Folterung und anschließende Enthauptung.

Zwei Engel spenden ihm Trost, und zwei wilde Tiere, an kurzer Leine gehalten, senken den Kopf und weigern sich, den Heiligen zu fressen. Sehenswert sind auch die großen Wandfresken, die bei der Sanierung der Burg unter einer Putzschicht zutage kamen: detailreiche, bunte Bildergeschichten aus der Ritterzeit, mit Liebes- und Badeszenen sowie Turnierdarstellungen.

Internet: www.sistemamuseo.it

Ausschnitt aus einem Flachrelief, das Ende des 12. Jahrhunderts ein unbekannter Bildhauer in Marmor meißelte, um die Leiden des Heiligen Blasius darzustellen