Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 126
Paolozzi statt Tapeten
Von Hans Pietsch
Sammler: Der Brite Frank Cohen eröffnet sein eigenes Museum
Charles Saatchi des Nordens wird Frank Cohen scherzhaft genannt, denn seine Kollektion zeitgenössischer Kunst ist angeblich nur geringfügig kleiner als die des Londoner Supersammlers. Seit 30 Jahren kauft der Unternehmer Werke von etablierten Größen wie Eduardo Paolozzi und Richard Prince, von den Young British Artists, aber auch von Kunststudenten und Talenten, die am Anfang ihrer Karriere stehen. Sein teuerstes Stück, sagt er, sei eine Plastik von Jeff Koons für 1,8 Millionen Euro.
Etwa 1500 Arbeiten besitze er und jede Woche kämen neue hinzu. Junge Kunst aus China habe er in letzter Zeit viel gekauft und im Augenblick würden ihn vor allem Künstler aus Indien und Pakistan interessieren.
Der 64-jährige Cohen stammt aus Manchester.
Mit 15 Jahren verließ er die Schule und begann seine berufliche Laufbahn mit einem bescheidenen Marktstand. Später verdiente er Millionen mit riesigen, am Stadtrand gelegenen Heimwerkerläden und investierte einen Großteil seines Vermögens in aktuelle Kunst. In einem Industriegebäude nördlich der mittelenglischen Stadt Wolverhampton hat er sich in diesem Jahr seinen lang gehegten Traum erfüllt: ein eigenes Museum, das er "Initial Access" ("Erster Zugriff") getauft hat.
Der Kurator David Thorp soll hier in Wechselausstellungen die Spannweite der Cohen-Sammlung vorführen. Anders als bei vielen Privatmuseen, auch dem von Saatchi, ist bei Cohens "Initial Access" der Eintritt frei. Der Sammler ist sicher, dass die Besucher kommen werden: "Wenn die Leute in ein Lagerhaus gehen, um Tapeten zu kaufen, dann kommen sie auch, um Kunstwerke zu sehen." Nicht alle sind begeistert von Cohens Sammlertätigkeit. Als er in London eine Auswahl seiner Kollektion zeigte, verhöhnte ihn Jonathan Jones im "Guardian" als "Narren des Nordens": Sein Geschmack sei "billig", sein Auge für ganz junge Kunst "unbedeutend", und von wichtigen Künstlern kaufe er nur "zweitrangige Werke".
Cohen ficht solche Kritik nicht an. Er steht zu seiner Passion und möchte so viele Menschen wie möglich anlocken. Er träumt gar davon, einen Bus zu kaufen, um in den umliegenden Städten wie Wolverhampton und Birmingham Besucher aufzulesen und zu seinem Museum zu chauffieren, alles kostenlos. "Natürlich", schmunzelt er, "würde ich den Bus selbst fahren." Seine Heimatstadt Manchester möchte der emsige Sammler ebenfalls bald mit einem Museum beglücken. Nach einem passenden Haus wird schon gesucht.
Ausstellung: bis 15. Dezember, "Unholy Truth". Internet: www.initialaccess.co.uk
Unternehmer, Kunstsammler und Museumsbesitzer: Frank Cohen
