Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 124
Diplomgalerist
Von Julia Peitz
Ausbildung: Köln bietet Studiengang für Kunsthändler
Wie wird man eigentlich Kunsthändler? Galeristen sind in der Regel Autodidakten, Quereinsteiger mit Kunstgeschichtsstudium oder betriebswirtschaftlichem Know-how. Für den Beruf gibt es bislang keine spezifische Ausbildung. Das mag auch daran liegen, dass Kunst und Geschäft in einem Atemzug zu nennen, vielerorts als unschicklich galt.
Im Zuge des aktuellen Kunstbooms löst sich dieses Tabu. Die Galerienszene blüht, die Auktionshäuser machen Rekordumsätze.
Erst kürzlich wechselte die langjährige Direktorin des New Yorker Guggenheim Museum, Lisa Dennison, zum Auktionshaus Sotheby's - ein spektakulärer Karrieresprung, der früher als Abstieg gegolten hätte.
Der Weg zur Professionalisierung des Galeristenjobs soll nun in Köln mit der Gründung des Studiengangs "Kunsthandel" geebnet werden. So jedenfalls der Wunsch des Bundesverbands Deutscher Galerien (BVDG) und des Kunsthistorischen Instituts der Universität Köln: Angestrebt ist ein zweijähriger Master-Studiengang ohne Zusatzkosten ab dem Wintersemester 2008. Professor Stefan Grohé, Kunsthistoriker der Universität Köln, denkt dabei an eine Kooperation seines Instituts etwa mit der Wirtschaftswissenschaftlichen oder der Juristischen Fakultät. Die Studierenden können auf diese Weise einen kunsthistorischen Schwerpunkt verfolgen und neben dem Besuch von Masterseminaren der Kunstgeschichte auch Veranstaltungen der BWL und in Jura wahrnehmen.
Noch vor wenigen Jahren wäre eine solche Zusammenführung von Geistes- und Wirtschaftswissenschaften undenkbar gewesen, betont Susanne Zander, stellvertretende Vorsitzende des BVDG.
Auch sie stellt fest, dass das Thema "Kunst und Geld" an Bedeutung gewonnen hat. Die Zeiten, in denen man mit Kunst nichts verdienen konnte, seien vorbei.
Aus der Perspektive des Geisteswissenschaftlers richtet Stefan Grohé das Augenmerk auf einen weiteren Aspekt des neuen Studiengangs. Ihm ist aufgefallen, dass die Studierenden der Kunstgeschichte heutzutage pragmatischer geworden sind. Sie entwickeln ein immer größeres Interesse am Praxisbezug, wollen auf ein bestimmtes Ziel, einen konkreten Beruf hinarbeiten. Dabei legt Stefan Grohé Wert darauf, dass die Universität nicht zum Ausbildungsbetrieb wird:
Der Blick auf die konkreten Anforderungen für Galeristen und Auktionäre soll geschärft werden, ohne dass der Forschungsauftrag darunter leidet.
Kunsthistoriker Stefan Grohé, Galeristin Susanne Zander
