Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 125
Größter Blender aller Zeiten
Von Christian Schaernack
Kommentar: Christie's in New York versteigert Koons "Diamant"
Lottokönige, Magnaten und Mogule, gelangweilte Millionenerben aufgepasst: Am 13. November kommt bei Christie's der größte Blender aller Zeiten unter den Hammer. Empfohlen jedoch nur für Hausherren mit weitläufigem Vorgarten - und passender Profilneurose. Denn bei Jeff Koons wird bekanntlich nicht gekleckert. Eine Höhe von rund zweieinhalb Metern misst dessen "Blue Diamond", eine monumentale Edelsteinreplik aus poliertem Stahl. Auch die Taxe, so munkelt man, sei bei rund zwölf Millionen Dollar (rund acht Millionen Euro) eher unbescheiden.
Dem wahren Connaisseur mag angesichts des grotesken Klunkers endgültig die Lust am Kunstgeschäft vergehen. Doch Koons, mit seinem seit den frühen Achtzigern bewährten Kitschprogramm der erfolgreichste "Running Gag" der jüngeren Kunstgeschichte, scheint unverwüstlich.
Mehr noch: Sollte das blaue Blendwerk tatsächlich die Zehn- Millionen-Dollar-Grenze knacken, dann wäre dies eine glatte Verdoppelung des bisherigen Auktionsrekords für ein Werk des 52-Jährigen. Und ein gutes Geschäft für den Einlieferer - Insidern zufolge Verleger Benedikt Taschen. Denn ein vergleichbarer "Green Diamond" kostete vor rund zwei Jahren gerade einmal 2,3 Millionen Dollar. Insgesamt soll es fünf der Skulpturen in unterschiedlichen Farben geben, die größtenteils 2005 und 2006 entstanden sind.
Protzige Statussymbole haben Konjunktur. Auch Sotheby's hat ein Schmuckstück von Koons im Angebot: "Hanging Heart", ein riesiges rotes Metallherz mit Goldschleife wird sogar zum Schätzpreis von 15 Millionen Dollar angeboten. Und erst im August wurde bekannt, dass der mit über 8000 Juwelen besetzte "Diamond Skull" von Damien Hirst für 100 Millionen Dollar an eine Gruppe von Investoren verkauft wurde.
Die Details solcher "Private Deals" freilich sind kaum verifizierbar.
Da ist die Wahrscheinlichkeit, dass die aufgerufenen Summen tatsächlich gezahlt werden, bei Versteigerungen ungleich höher. Alteingessene Beobachter sprechen allerdings angesichts der aktuellen Preisexzesse von Trophäen wie dem "Blue Diamond" ganz unfein längst von einem reinen "Pissing Game" superreicher Alphatiere: ein knallharter Wettstreit der Weichteile, ausgetragen vor den Augen der Weltöffentlichkeit, nicht etwa um Kunst, sondern um den größten - finanziellen Spielraum.
Zweieinhalb Meter hohe Protzskulptur:
Jeff Koons "Blauer Diamant" wird bei Christie's versteigert
