Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 116-117

Die Postmoderne

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lebte vom Zitieren. Auch der Brite James Stirling (1926 bis 1992), einer der wichtigsten Vertreter postmoderner Architektur, hat bei seinem Entwurf für die Neue Staatsgalerie Stuttgart mit verschiedenen Baustilen gespielt. Nicht zitiert, sondern dreist kopiert wurde Stirling allerdings in London. Im Stadtteil Kensington steht ein Zwilling der geschwungenen Glasfassade mit dem grünen Raster (ganz rechts), die zum Markenzeichen des 1984 eingeweihten Stuttgarter Hauses (rechts) geworden ist. Auch die Struktur des Mauerwerks hat Ähnlichkeit mit dem Original. Der entscheidende Unterschied: Hinter der Londoner Glas front findet man keine Kunstwerke, sondern Schraubenzieher, Bohrmaschinen und ähnliches Gerät - denn in dem Gebäude ist die Baumarktkette "Home base" untergebracht. Das Plagiat sei wohl Mitte der neunziger Jahre gebaut worden, meint Manuel Schupp, Mitarbeiter des ehemaligen Stuttgarter Büros "James Stirling, Michael Wilford and Associates". Er findet es "nicht in Ordnung", dass Stirlings Bau, dessen Abbild in Großbritannien sogar eine Briefmarke ziert, kopiert wurde. Doch Schupp nimmt die Angelegenheit mit Humor: Das sei, als würde man "von einem Mercedes die Kühlerhaube abschrauben und auf eine Ente montieren".