Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 82-84
Comeback des verlorenen Sohns
Von Michael Kohler
Kunsthalle und Kunstverein präsentieren einen konservativen Rebellen DÜSSELDORF: PALERMO
Seit 40 Jahren residieren die Kunsthalle Düsseldorf und der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen unter einem gemeinsamen Dach am Grabbeplatz und haben sich noch immer lieb. Das ist für beide Institutionen ein Grund zum Feiern, aber vor allem ein Anlass, einen der verlorenen Söhne der Stadt in seinen Werken heimzuholen.
Anfang der sechziger Jahre kam Blinky Palermo (1943 bis 1977) nach Düsseldorf, studierte, zunächst noch unter seinem bürgerlichen Namen Peter Heisterkamp, bei Bruno Goller und Joseph Beuys.
Während sich die Kunstwelt den schillerndern Oberflächen der Pop Art hingab, trieb Palermo seinen Bildern das ohnehin nur spärlich vorhandene Figürliche immer weiter aus. Er malte konstruktivistische Werkreihen, in denen sich Farben und Flächen lediglich minimal verändern.
Diese Rückbesinnung auf die romantische Innerlichkeit der Form machte Palermo zu einem konservativen Rebellen - eine Rolle, die dem Bohemien auf den Leib geschrieben schien und die Legendenbildung nach seinem frühen Tod maßgeblich beförderte. Palermo starb mit nur 33 Jahren unter nie ganz geklärten Umständen bei einer Urlaubsreise auf den Malediven. Er mag nicht der James Dean der Kunstszene gewesen sein, als der er von seinen Freunden betrauert wurde, aber immerhin ein unvollendetes Talent.
Die Düsseldorfer Ausstellung legt einen Querschnitt durch Palermos gesamtes Werk. Sie umfasst Zeichnungen, ausgewählte Objekte und insbesondere Stoff- und Metallbilder, mit denen er seine persönliche Antwort auf die "Combine Paintings" Robert Rauschenbergs entwickelte. Auch hier wandte sich Palermo klassischen Vorstellungen zu, um seine Position in der zeitgenössischen Kunstwelt zu bestimmen: Er rückt die Bilder teilweise mittels nicht sichtbar angebrachter Leisten ein wenig von den Wänden ab und lässt sie mit über die Kanten gezogenen Farben gleichsam schweben. Seine Malerei wird "räumlich" und sakral zugleich, insbesondere wenn er Galerien einen neuen Anstrich gibt und sie ins weihevolle Licht rechtwinkliger Wandmalereien taucht. Man darf gespannt sein, ob diese kunstreligiöse Qualität die klotzige Kunsthalle in einen Dom verwandeln kann. Die drei Kuratorinnen - Ulrike Groos, Susanne Küper und Vanessa Joan Müller - wollen ihre Ausstellung jedenfalls auf die Raumwirkung des Hauses zuschneiden. Termin: bis 20. Januar 2008. Gefördert von Kunststiftung NRW, Ministerpräsident NRW, Ernst & Young.
Katalog: DuMont Verlag, deutsche und englische Ausgabe, je 29,80 Euro, im Buchhandel je 39,90 Euro.
Erscheinungstermin Mitte November.
Internet: www.kunsthalle-duesseldorf.de und www.kunstverein-duesseldorf.de
Vierteilige Arbeit "Red, Yellow and Blue" von Palermo (1975, Acryl auf Aluminium), die Tafeln messen jeweils 27 x 21 cm
Eine von zahlreichen Variationen von Palermos "Treppenhaus" (1970, 63 x 120 cm)
Sakrale Wirkung mit minimalen Mitteln:
Palermos "Blaue Scheibe und Stab" (1968)
