Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 88
Lenin: 100 Punkte
Von Tim Sommer
Die Deichtorhallen zeigen erstmals die neue Serie der "Russenbilder" HAMBURG: GEORG BASELITZ
Altersexpressionismus nennt man die wilde Phase gegen Ende großer Malerleben. Was aber macht einer, der zeitlebens ein Berserker war? Georg Baselitz wechselte jenseits der 60 ins konzeptuelle Fach. Er bemächtigte sich in Neu- und Umschöpfungen nacheinander der deutschen Romantik, der Volkskunst seiner sorbischen Heimat, der eigenen Bilder aus der "Winnetouphase" und dann in der grandiosen Suite "Remix" (art 8/2006) den Meisterwerken, denen er seinen Weltruhm verdankt. Die luftigen Zitate aus Kunstgeschichte und eigener Biografie zeigen den rüden Baselitz als sanft ironischen, altersweisen Gedankenmaler.
Während die Royal Academy of Arts in London bis 9. Dezember das Gesamtwerk in einer Retrospektive zeigt, sind in Hamburg erstmals die "Russenbilder" zu sehen. Baselitz seziert und dekonstruiert eine Reihe von Klassikern des Sozialistischen Realismus sowjetischer Herkunft, die im Osten Deutschlands als Leitbilder einer neuen Kunst gefeiert wurden. In der DDR wurde Baselitz für nichtakademietauglich befunden.
Seine späte Rache ist süß. Termin: 16. November bis 3. Februar 2008.
Katalog: 54,80 Euro. Internet: www.deichtorhallen.de
Geglückte Rache: "Lenin on the Tribune" (1999, 250 x 200 cm) von Georg Baselitz
