Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 46
"Beim Zeichnen sehe ich, was ich vor mir habe"
Von Ralf Schlter
INTERVIEW
Bob Dylan, 66, hat mit seinen poetisch-rebellischen Songs die populäre Kultur des 20. Jahrhun derts geprägt wie sonst nur die Beatles und Elvis Presley. Interviews mit ihm sind äußerst rar, seine Verschlossenheit und sein schroffes Verhalten gegenüber Journalisten legendär. Vor seiner Ausstellung in Chemnitz konnte ihm art-Redakteur Ralf Schlüter schriftlich einige Fragen stellen, die er per E-Mail beantwortete - in für Dylan typischer Knappheit. art: Herr Dylan, wann haben Sie angefangen, neben der Musik zu zeichnen?
Dylan: Ich kann mich nicht daran erinnen, jemals nicht gezeichnet zu haben, seit ich auf der Grundschule war.
Warum haben Sie so lange mit ihrer ersten Ausstellung gewartet?
Es ist nicht so, dass ich gewartet habe. Die Gelegenheit hatte sich vorher einfach nie ergeben.
Welche Künstler mögen Sie?
Ich mag Vermeer, Kandinsky, van Gogh, Renoir ... alle aus unterschiedlichen Gründen.
Und zeitgenössische Künstler?
Chris Cooper, die Hernandez-Brüder, David Hockney, Brice Marden.
Gibt es Museen, die Sie besonders gern besuchen?
Neben dem Louvre in Paris sind meine liebsten Museen wohl der Prado in Madrid, die Galleria Borghese in Rom und das Metropolitan Museum in New York.
Wo und wie arbeiten Sie an Bildern?
Im Grunde zu jeder denkbaren Zeit an jedem denkbaren Ort. Drinnen, draußen, bei ganz unterschiedlichem Licht. Es hängt von den Umständen ab.
In Chemnitz zeigen Sie Variationen zu ihrer Serie "Drawn Blank" aus den frühen neunziger Jahren.
Wie kamen Sie zu dieser Idee?
Es war nicht meine, sondern Ingrids Idee. Es gab das Buch mit den Zeichnungen ja schon vorher.
Was ist der größte Unterschied zwischen dem Malen und dem Schreiben von Liedern?
Wenn ich zeichne, kann ich sehen, was ich vor mir habe. Wenn man einen Song schreibt, ist man nie ganz sicher ... man muss sich die meiste Zeit ganz allein auf sein Gefühl verlassen.
Wird es weitere Ausstellungen mit Ihren Bildern geben?
Ich hoffe es!
Legendäre Figur der Popkultur, Sänger, Dichter - und Künstler:
Bob Dylan
