Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 58

Das lange Warten auf den Schatz

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Nach fast fünfzig Jahren unter Verschluss wird der Nachlass von Frida Kahlo jetzt veröffentlicht

Es war kein unbekannter Schatz, den Hilda Trujillo, die Direktorin des Frida-Kahlo-Museums "Casa Azul" in Mexiko-Stadt, im Sommer 2004 entdeckte. Diego Rivera hatte 1955, ein Jahr nach dem Tod von Frida Kahlo, deren Wohnhaus im beschaulichen Kolonialviertel Coyoacán zum Museum bestimmt. Er schenkte der mexikanischen Bevölkerung den gesamten Nachlass - und ließ alle 34 761 persönlichen Gegenstände und Dokumente der Künstlerin im so genannten "Blauen Haus" für 15 Jahre verschließen und versiegeln.

Die Vorsitzende des Nachlasskomitees und Mäzenin Riveras, Dolores Olmedo (1908 bis 2002), setzte jedoch eine neue Frist: Erst nach ihrem eignen Tod sollte der Inhalt der über 30 Archivschränke öffentlich werden, weil viele Weggefährten noch lebten und sie selbst jahrelang Riveras Geliebte gewesen war. Als Hilda Trujillo die Siegel an den Kisten, Truhen und Badezimmern nach fast 50 Jahren brach, förderte sie einen überwältigenden Fund zutage: über 300 Kleider und Schuhe der exzentrischen Malerin, 5387 Fotografien und 22105 Briefe, Tagebücher und Zeichnungen, darunter allein 112 von Kahlo und 212 von Rivera. Auch Reisesouvenirs des Künstlerpaars, die gemeinsame Bibliothek aus 3800 Bänden und Röntgenbilder von 39 Operationen, denen sich Frida Kahlo unterzogen hat, illustrieren ihr intensives, wechselvolles Leben.

Ein mehrköpfiges Team legte in zweijähriger Arbeit einen elektronischen Katalog aller Objekte an, der voraussichtlich ab Dezember im Diego-Rivera-Museum "Anahuacalli" einsehbar sein wird. Die Originale bleiben hingegen im "Blauen Haus". K. E.

Internet: www.museofridakahlocasaazul.org und www.museodiegoriveraanahuacalli.org

Das Geburtshaus von Frida Kahlo im Coyoacán-Viertel von Mexiko-Stadt, die "Casa Azul", beherbergt den Nachlass der Künstlerin.

Rechts oben das Doppelhaus "San Angel", ebenfalls in Mexiko-Stadt, das sich das Künstlerpaar 1933 bauen ließ