Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 6
Ewige Noblesse
Von
"Gefangen im Palmenhain" - Ute Thon bilanziert die Documenta 12 in Kassel (8/2007)
Sicher, die Reisterrassen waren eine interessante und an diesem Ort eine spannende Idee, leider kläglich gescheitert - sicher, das passt nicht zu dem für uns Deutsche typischen Perfektionismus, aber wegen der Reisterrassen bin ich nicht zur Documenta 12 gefahren! Mich hat es auch nicht im Geringsten gestört, dass insbesondere im Auepavillon die Werke zum Teil wie in einer Leistungsschau eines Landkreises unprätenziös präsentiert wurden. Gerade das empfand ich als ganz erfrischend, weil die Werke mal nicht, wie in unseren Kunstpalästen zelebriert wurden.
Der rotbraune Asphalt im Auepavillon - muss es denn immer edelster Parkettboden oder geschliffener und polierter Estrich sein? Dieses ewige Bedürfnis nach Noblesse, Durchgestyltem und Designtem?
Was nichts kostet hat keinen Wert? Müssen es denn immer die minimalistischen Highendbänke sein, können es nicht mal die frei aufgestellten, schlichten Stühle der Qing-Dynastie sein? Ich fand es insgesamt begrüßenswert, wie sich Roger M. Buergel und Ruth Noack mit ihrer Auswahl mit vielen feinsinnigen und gerade deswegen spektakulären Werken selbstbe wusst durchgesetzt haben - weniger mit fulminanten, bildgewaltigen Werken und weniger mit den bekannten Größen des Kunstmarkts. Ich bin froh, dass ich mir die Documenta 12 nicht habe entgehen lassen!
Stefan Bitter, per E-Mail
Als sich die Unternehmensberater vor vielen Jahren sprachlich übernahmen, erfand ein Kritiker eine phraseologische Tabelle, die immer zum Einsatz kommen kann, wenn Kompetenz erzeugt werden soll. Die Berichterstattung in Ihrer Zeitschrift über die Documenta, die ich ansonsten sehr schätze, hat mich veranlasst, die wichtigsten Begriffe der Kunstkritiker zusammenzufassen, die beliebig miteinander verbunden werden können: metaphorische Kristallisations-Installation, experimentelle Domestizierungs-Provenienz, ästhetische Phänologie-Migration, minimalistische Implantierungs-Inszenierung, dekorative Instrumentalisierungs-Ikonographie, abstrakte Kommunikations-Präsentation, kontemplative Individual-Provo kation, kuratorische Multimedia-Performance, konzeptuelle Klassifikations-Projektion.
Volker Hoffmann, Rosbach
