Ausgabe: 11 / 2007
Seite: 6

Mehr Sinn!

Von

"Neues aus der Welt der Kunst" - Studio-Beitrag über das von Gerhard Richter entworfene Kirchenfenster für den Kölner Dom (10/2007)

Ihr wunderschönes Foto von Gerhard Richters Kirchenfenster für den Kölner Dom hat mich veranlasst, noch einmal über die Äußerungen von Kardinal Joachim Meisner nachzudenken. Zum einen: In welchem Jahrhundert leben wir denn, dass ein Kirchenfürst allen Ernstes noch unbedingt figurative Darstellungen fordern kann? Dass Meisner seine Rhetorik ausgerechnet aus dem unsäglichen Vokabular des Nationalsozialismus bezieht (Meisner: "Dort, wo die Kultur von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet.") finde ich skandalös.

Richters durch seine leuchtende Farbigkeit bestechendes Fenster mit dem gleichen Vokabular zu belegen, mit dem 1937 zahlreiche Künstler und Kunstrichtungen diskriminiert und verfemt wurden, kann niemand akzeptieren. Außerdem beweist Ihr Foto auch Folgendes: Das dem Richter-Fenster gegenüberliegende ist ja auch nicht gerade gegenständlich, sondern schlicht ornamental. Da Meisner hier ja ganz offensichtlich nicht gefordert hat, es in eine Moschee abzuschieben, liegt der Verdacht nahe, dass dem Kardinal nicht ins Konzept gepasst hat, dass ein aus der evangelischen Kirche ausgetretener Künstler den Auftrag erhalten hat.

Marita Beck, per E-Mail

Gerhard Richters Fenster beweist mir, dass sowohl er als auch die Verantwortlichen seitens der Kirche überfordert waren!

Das Fenster ist belanglos und beliebig!

Es mag sein, dass dem Betrachter sich der Maler Richter mehr erschließt.

Wenn das beabsichtigt war, dann war die Entscheidung richtig! Die Fenster tragen jedoch nicht dazu bei, dass sich den Anschauenden Gott mehr erschließt. Durch die Fenster findet in Zukunft, wenn überhaupt, mehr eine "Richter-Verehrung" statt, denn eine Hilfe zur Erschließung der Idee des Doms. Die Richter-Fenster können im Hauptbahnhof oder sonst wo installiert sein. Eine gute Dekoration passt überall hin, in Kirchen erwarte ich

Uwe Fossemer, per E-Mail

Titelthema der Oktober-Ausgabe von art war ein Gespräch mit dem US-Künstler Richard Prince

Gerhard Richters Fenster im Kölner Dom