Ausgabe: 10 / 2007
Seite: 122

Der Kreis des Konzeptkünstlers

Von Ute Diehl

Wandbild: Gefahr für Sol LeWitts eigenhändige Malerei

Sol LeWitt (1928 bis 2007) verbrachte einen Teil seines Lebens in Umbrien. 1981 schloss er sich dort einer Gruppe von Künstlern an, die mit Aktionen auf die dramatische Abwanderung aus den Bergdörfern hinwiesen. In dem fast menschenleeren Örtchen Civitella setzte LeWitt ein "Wall- Drawing" auf eine Hausfassade - vermutlich das einzige, dessen Ausführung er nicht Assistenten überließ. Der Meister der Minimal Art und der Konzeptkunst stieg auf eine Leiter, hämmerte einen Nagel in die Wand und zog mit Hilfe einer Schnur einen groß en Kreis, den er mit weißer Farbe ausmalte: Mochten die letzten Bauern fortziehen, die Kunst sollte in Civitella bleiben.

26 Jahre später wurde das Haus samt dem echten Sol LeWitt verkauft, und der neue Besitzer will renovieren. Auch die Fassade soll erneuert werden, wobei der weiße Kreis unter einer Putzschicht verschwin den würde. Dagegen haben Kunstfreunde protestiert und die Denkmalschutzbehörde verhängte einen Stopp der Sanierung. Das Original zu erhalten, fordert auch Maurizio Cancelli. In den Achtzigern war er ein junger Bauer und unterstützte die Künstler- Inititative. "Wir waren sehr bewegt", erinnert er sich, "als der amerikanische Konzeptkünstler, der die Ansicht vertrat, dass Ideen schon Kunstwerke seien, selbst Hand anlegte."

Von Sol LeWitt 1981 selbst gemalt:

Kreis auf einem Haus in Civitella