Ausgabe: 10 / 2007
Seite: 122
Missionare aus München
Von Birgit Sonna
Projekt: Goethe-Institut lädt Kunstverein nach New York ein
Es klingt unglaublich: Ausgerechnet der notorisch finanzschwache Kunstverein München plant in New York ein einjähri ges Gastspiel. Und zwar auf Einladung des dortigen Goethe- Instituts. Dessen neuer Chef der Kulturabteilung, Stephan Wackwitz, will das biedere Image seines Hauses mit zeitgenössischer, nicht mehr nur nationaler Kunst aufmöbeln. Münchens Kunstvereinsdirektor Stefan Kalmár soll mit seinem Team ab Januar eine Galerie in der Lower East Side mit sechs Ausstellungen bespielen.
Das Goethe-Institut trägt die Mietkosten, zusätzlich müssen 80 000 Euro Sponsorengelder für das Projekt aufgetrieben werden.
Nach einem Jahr dann soll ein anderer deutscher Kunstverein in New York aufreten.
Warum beginnt der Transfer gerade mit den Münchnern? "Für Wackwitz sind wir die einzigen Pop-Trotzkisten in Deutschland", sagt Kalmár. Der Kunstverein hat in den letzten Jahren mit Ausstellungen Aufsehen erregt, in denen es wie bei der Retrospektive der Editionen der kanadischen Künstleraktivisten General Idea um die politische Bedeutung von öffentlichen und populären Bildern ging. Im US-Wahljahr will Kalmár die Visionen von "Good Old Europe" nach New York bringen.
Das Modell des Kunstvereins soll als "nichtkommerzielles Regulativ im international angezogenen Wettbewerb von Kunstinstitutionen und Galerien" vorgestellt werden. Anfang Oktober ist die Eröffnung einer Gruppenschau angesetzt, die sich mit der veränderten internationalen Rolle der USA unter der Bush-Regierung auseinandersetzt.
Internet: www.kunstverein-muenchen.de
Gastspiel in New York: Stefan Kalmár, Chef des Kunstvereins München
