Ausgabe: 10 / 2007
Seite: 124

Junges Flair in alten Hallen

Von Peter Schwerfel

Paris: Die Kunstmesse "FIAC" hat sich spektakulär gewandelt

Die traditionelle Pariser Kunstmesse "FIAC", die vom 18. bis zum 22. Oktober stattfindet, hat in den letzten Jahren unter der Leitung des Direktorenduos Jennifer Flay und Martin Bethenod spektakuläre Wandlungen vollzogen. art-Korrespondent Heinz sprach mit Martin Bethenod über die rundum erneuerte Messe. art: Welche Veränderungen stehen dieses Jahr an?

Bethenod: Wir haben vor zwei Jahren die "FIAC" abgespeckt, von 230 auf 169 Kunstgalerien und zehn Designgalerien, ein Novum in der Welt der Kunstmessen.

Die internationale Mischung verändert sich weiter, 2007 kommen 59 Prozent der Aussteller aus dem Ausland.

Unser neuer alter Ort ist seit 2006 wieder das historische Grand Palais. Aus Platzmangel mussten wir einen zweiten Ort einbeziehen, die Cour Carrée du Louvre, was bei einigen Galeristen Unruhe hervorgerufen hat.

Weil in der Cour Carrée vor allem jüngere Galerien angesiedelt wurden und die dortigen Aus steller eine Art Nachwuchs-Ghetto befürchteten?

Ja. Aber diese Befürchtung hat sich sehr schnell zerschlagen, als schon am ersten Tag zwei, drei sehr prominente Sammler in der Cour Carrée auftauchten. Und die knapp 90 000 Besucher merkten schnell, dass die Mischung von altem Louvre und junger Kunst einen ganz besonderen Charme entwickelte.

Aber das Wichtigste war natürlich, dass die jüngeren Galeristen sehr zufrieden mit ihren Umsätzen waren.

Brachte die räumliche Distanz zwischen den Standorten Probleme?

Nein. Statt zu einem einzigen, konzentrierten Besuch zu kommen, haben die Leute die innerstädtische Lage und unsere Skulpturenausstellung im Tuilerien- Park dankbar angenommen.

Viele Besucher gingen an einem Tag in das Grand Palais und am nächsten Tag zur Cour Carrée.

Was hat sich am Auswahlverfahren verändert?

Wir haben die Zulassungskommission komplett ausgetauscht und paritätisch mit nationalen und internationalen Galerien besetzt, die alle zwei bis drei Jahre wechseln. Dann wurde nicht nur die Zahl der Teilnehmer reduziert, auch die Gewichtungen haben sich gewandelt: Traditionell gab es immer viele italienische und belgische Galerien hier, nun kamen erst Deutsche und Schweizer hinzu und in diesem Jahr verstärkt die Amerikaner mit insgesamt 18 Galerien, darunter Paula Cooper, Luhring Augustine, David Zwirner, aber auch junge Galerien wie The Project.

Wie haben sich die Umsätze entwickelt im letzten Jahr?

Darüber haben wir keine präzisen Zahlen, und wir wollen auch keine. Denn ich halte Umsatzbilanzen nach Messen grundsätzlich für fragwürdig.

Die "Art Cologne" hat den Herbsttermin aufgegeben und ist in den April gewechselt. Ist das gut für die "FIAC"?

Ja, denn Köln und Paris lagen zu dicht beieinander, das wurde für die Galeristen unzumutbar. Vor zwei Jahren haben wir absichtlich einen Tag früher zugemacht, damit sie Zeit zum Aufbau ihrer Stände in Köln hatten. Damit ist jetzt Schluss.

Gläserner Schauplatz: ein Großteil der "FIAC" findet im Grand Palais statt

"FIAC"-Direktor Martin Bethenod