Ausgabe: 10 / 2007
Seite: 6
Beeindruckendes Werk
Von
"Schönheit, Tod und andere Klischees" - Tim Sommer über die Biennale-Schau von Robert Storr in Venedig (8/2007)
Ich gestehe Herrn Sommer ja gerne zu, dass er einen eigenen Blick auf die Biennale hat, insbesondere auf die Ausstellung im Arsenale. Was er aber der Emily Prince in einem Nebensatz antut, ist einfach unfair. Sie sei gescheitert.
Warum? Die Zeichnungen von Emily Prince sind doch nicht nur Bleistiftzeichnungen von gefallenen GIs. Dahinter Hier ist jetzt: die neue art-Website steckt eine Idee: Die Zeichnungen sind auf braunem, rotem, gelbem und weißem Kartonpapier gesetzt. Das soll doch wohl auf die Rassenzugehörigkeit der GIs hinweisen.
Auffällig ist, dass im Verhältnis zur Bevölkerung der USA überproportional viele schwarze, rote und gelbe Karten auf der amerikanischen Landkarte verteilt sind. Eine besondere Ballung an Toten findet man an der Ostküste, an der Westküste und im Randgebiet zu Mexiko, also in den sozialen Brennpunkten des Landes.
Ich schließe daraus, dass vorwiegend junge Leute zur Armee gehen, die sonst keine beruflichen Chancen haben, Leute aus der Unterschicht. Kommt es zu einem Krieg, sind es wiederum die Leute, die für die Politik ihres Landes mit ihrem Leben bezahlen. Im besten Sinne trifft doch gerade diese Installation das Motto der Biennale: "Denk mit den Sinnen, fühl mit dem Verstand." Emily Prince ist nicht gescheitert, sondern hat ein abgeliefert.
Dietrich von Horn, per E-Mail
