Ausgabe: 10 / 2007
Seite: 118

Spreeblick statt teurer Mieten

Von Birgit Sonna

Szene: Münchens Pinakothekenviertel verliert wichtige Galerien

Von Aufbruchsstimmung war di e Rede, als die Pinakothek der Moderne in München vor fünf Jahren eröffnete. Tatsächlich siedelten sich im so genannten Pinakothekenviertel eine Reihe entschlossener Junggaleristen an.

Nach und nach entstand ein lebendiges Galerienquartier in der Maxvorstadt, das jetzt allerdings schon wieder bröckelt. Denn gerade in der Liga der zukunftsträchtigsten Kunsthändler stehen herbe Verluste bevor.

So gibt Ben Kaufmann, dessen Wiederentdeckung Poul Gernes bei der Documenta 12 vertreten war, im Herbst seine Münchner Filiale auf. Er will sich an seinem zweiten Standort in Berlin vergrößern und bis zum Frühjahr dort ein neues Quartier in zentraler Lage beziehen. "Mit ein Grund sind die teuren Mietverhältnisse und das fehlende Raumangebot, die eine Erweiterung in München verhinderten", sagt Ben Kaufmann.

Zudem meint er, dass sich ein "Abwärtstrend des Pinakothekenhochs" abzeichne.

Michael Zink hat schon zu Anfang des Jahres eine mit 300 Quadratmetern im Vergleich zu München recht luxuriöse Galerie in Berlin-Kreuzberg aufgemacht, Spreeblick inklusive. In den beschaulichen Münchner Räumen will er sich künftig auf den künstlerischen Nachwuchs konzentrieren.

"Es mag zwar in München mehr Sammler geben", meint er, "aber die Leute, die wir auf Messen kennen lernen, kann man eher nach Berlin locken." Noch ein bitterer Abgang für München bahnt sich an: Die Galeristin Philomene Magers sucht mit ihrer Kölner Partnerin Monika Sprüth nach Schauräumen in Berlin. Sobald sich ein Objekt aufgetan hat, werden die beiden in München vermutlich kürzer treten. Auch Magers klagt, selbst die schönsten Ausstellungen zögen in der bayerischen Hauptstadt kaum überregionales Publikum an.

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