Ausgabe: 10 / 2007
Seite: 119

Premiere nach 17 Jahren Streit

Von Markus Clauer

Eröffnung: Arp-Museum bei Remagen zeigt viele Leihgaben

Diesen Blick hätte man Johannes Wasmuth schon gegönnt. Das Arp-Museum bei Remagen ist ein Guckkasten und Lichthaus über dem Rhein, die Flusslandschaft liegt herrlich ausgebreitet, unten steht der 1856 errichtete Bahnhof Ro lands eck.

Das Prachtstück deutscher Eisenbahn architektur dient als Entree:

Wer in das neu eröffnete Museum des US-Architekten Richard Meier will, muss in den Bahnhof, durch einen Tunnel. Von dort führen Aufzüge nach oben, dann wird es licht und schön.

Wasmuth, 1997 gestorben, war so etwas wie der Spiritus Rector des Arp-Museums, das es ohne die sen genialisch-chaotischen Ga leristen und Sammler nie gege ben hätte. Tragisch lang hat es ge dauert, bis das Haus endlich seine Tore hat öffnen können. Denn das weiß gestrichene Prestigeobjekt - die 25,4 Millonen Euro Baukosten teilen sich das Land Rheinland-Pfalz und der Bund - sieht nicht nur spektakulär aus.

Auch als Streitobjekt ist das 4400 Quadratmeter große Museum beinahe beispiellos. Noch im August, kurz vor der Eröffnung also, scheiterte der erste Versuch, einen Förderkreis zu gründen, erst im zweiten Anlauf klappte es.

Die 17 Jahre Entstehungsgeschichte sind reich an Disputen.

Im Mittelpunkt stand dabei oft der von Wasmuth gegründete Verein Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp, der dem Land nicht nur eine mehrere Millionen Euro teure Sammlung verkauft hat, sondern auch als maßgeblicher Leihgeber für etliche weitere Werke der Arps fungiert.

Mal lag der Verein im Clinch um Besitzrechte mit der Arp-Fondation in Paris und der Schweizer Fondazione Marguerite Arp, mal musste er an das Land bereits verkaufte Werke zurücknehmen, weil deren Herkunft und Echtheit umstritten waren. Zwischendurch wurde es dem Architekten Meier derart zu dumm, dass er hinschmeißen wollte.

2005 dann musste der Gründungsdirektor Raimund Stecker gehen, unter anderem, weil er sich mit dem Arp-Verein überworfen hatte. Es soll dabei um 49 geplante postume Güsse von Arp-Werken gegangen sein, die Stecker partout nicht als Originale anerkennen wollte. Auch sein Nachfolger Klaus Gallwitz hat angekündigt, nichts auszustellen, was nicht von Arp autorisiert worden sei. Allerdings endet seine Amtszeit 2008.

Bei der Eröffnungspräsentation, die gleich fünf weitere Künstler neben die Ausstellung "Hans Arp. Die Natur der Dinge" stellt, hat Gallwitz große Teile der hauseigenen Bestände schlicht ignoriert; ein Drittel der immerhin 90 gezeigten Arp-Arbeiten sind von anderen Sammlungen geliehen. In die Premiereneuphorie mischen sich schon erste leise Zweifel, ob das Arp-Museum das Kunstvolk auf Dauer anziehen könne. Als reines Arp-Haus kann es das wohl kaum, und auch mit Wechselschauen wird das bei einem jähr li chen Landeszuschuss von 1,78 Mil lionen Euro schwer werden. Die Sorgen des Interimschefs Gall witz sind das aber nicht.

Der muss nur noch rasch einen Nachfolger finden.

Internet: www.arpmuseum.org

Durch den Bahnhof Rolandseck führt der Weg hinauf zum Arp-Museum