Ausgabe: 10 / 2007

Gut versteckt

KOMMENTAR

Man muss sich schon auskennen, um diesen Fundus im Internet zu entdecken: Gut versteckt veröffentlicht das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen auf seiner Website www.badv.bund.de Rechercheergebnisse zu bundeseigenen Kunstwerken, die von den Nationalsozialisten geraubt oder gekauft wurden. Ein Großteil der Stücke wollte Hitler in seinem geplanten "Führermuseum" in Linz zeigen. Heute hängen viele von ihnen in deutschen Museen. Die Datenbank des Bundesamtes ist vorbildlich: Akribisch zeichnen die Verfasser die Wege der bislang rund 100 eingetragenen Bilder von Künstlern wie Lucas Cranach d. Ä., Arnold Böcklin oder Anselm Feuerbach nach, und sie nennen auch die Namen der Händler und der Käufer in der NS-Zeit.

Es geht also doch. Umso mehr fragt man sich, warum viele Museen nicht selbst systematisch über die Gemälde an ihren Wänden aufklären. Auch die Koordinierungsstelle Lost Art (www. lostart.de) in Magdeburg wäre in der Pflicht; immerhin gründeten Bund und Länder diese Institution eigens, um die Provenienzforschung voranzutreiben. Statt dessen macht ein Bundesamt die Arbeit, dessen Zuständigkeit nur Experten und Anwälten geläufig ist. Auch schon in jüngster Vergangenheit hat sich dieses Amt hervorgetan, wenn es darum ging, in der NS-Zeit gestohlene Kunst zu dokumentieren und unkompliziert den Erben der rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben. Den eigentlichen Kunstinstitutionen fällt es offenbar schwer, solche Souveränität aufzubringen. Das Geld fehlt, oft aber auch der Wille.

Die Bundespolitik müsste die Museen deutlich zur Provenienzforschung auffordern und ihnen die entsprechenden Stellen und die nötigen Mittel dafür bewilligen.

Es reicht eben nicht, die Sache einem entlegenen Bundesamt zu überlassen, nur, da mit überhaupt etwas getan wird.

KIA VAHLAND

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