Ausgabe: 10 / 2007
Seite: 126

Raub im zweiten Anlauf?

Von Heinz Peter Schwerfel

Kriminalität: Frankreichs Kunstdiebe werden immer dreister

Gleich zwei spektakuläre Diebstähle in kurzer Zeit zeigen, dass Frankreich weiterhin noch vor Italien ein Paradies für Kunstdiebe ist. Gründe dafür sind nach Ansicht der französischen Presse die unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen in vielen kleineren Museen und die Unverfrorenheit von zunehmend professionellen Verbrechern, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken.

So wurden im August am helllichten Tag ein Gemälde von Claude Monet, eins von Alfred Sisley und zwei von Jan Brueghel d. Ä. aus dem Musée des Beaux-Arts Jules Chéret in Nizza geraubt.

Die fünf bewaffneten Gangster marschierten mittags ins Museum, als zwei der sechs Wärter zu Tisch saßen. In wenigen Minuten schnit ten sie die tagsüber nicht durch Alarmanlagen gesicherten Bilder aus den Rahmen und ver schwan den. "Absolute Profis", urteilte die Polizei.

Sie findet besonders pikant, dass Monets "Felsenküste bei Dieppe" (1897) und Sisleys "Pappelallee bei Moret" (1890), die beide dem Pariser Musée d'Orsay gehören, 1998 bereits einmal gestohlen, aber rasch zufällig wiedergefunden worden waren. Die Fahnder vermuten hinter dem aktuellen Raub denselben Auftraggeber, der schon die Tat vor neun Jahren geplant hatte: "Der wollte es noch einmal versuchen", so ein Polizeisprecher.

Glimpflich verlief der Diebstahl dreier Picasso-Werke aus dem Pariser Stadthaus der Maler-Enkelin Diana Widmaier-Picasso. "Maya mit Puppe und Holzpferd" (1938), das "Porträt Jacque line" (1961) so wie eine Zeichnung wurden nach fünf Monaten leicht be schä digt wiedergefunden. Drei laut Polizei "professionelle Diebe und Hehler" wurden verhaftet, darunter ein 52-jähri ger Einbruchspezialist, der Türen bevorzugt mit Magnetkarten öffnet.

Die Polizei hatte gerätselt, warum an der Haustür der Picasso- Erbin keine Spuren von Gewalt zu entdecken waren.

Der Hintermann war hier offenbar ein Hehler aus dem Marais, der wegen eines anderen Verdachts bereits überwacht wurde.

Nach wochenlanger Beschattung schlug die Polizei zu, als er und ein Komplize offensichtlich einen Käufer treffen wollten. Die gestohlenen Gemälde trugen die beiden zusammengerollt in Plastikköchern auf dem Rücken.

Fahnder zeigen die wiedergefundenen Picasso- Werke:

"Maya mit Puppe und Holzpferd" und das "Porträt Jacqueline"