Ausgabe: 01 / 2007
Seite: 90

Spät berufen

Von Petra Bosetti

Collagen des Frankfurter Börsenmaklers in den Kunstsammlungen Böttcherstraße BREMEN: JOHN ELSAS

Mehr als 70 Jahre lang lebte der Frankfurter Jonas Mayer Elsaß, genannt John Elsas, genau wie man es sich von einem erfolgreichen Finanzier vorstellt. Erst im hohen Alter stellte der 1851 geborene Spross einer an gesehenen jüdischen Familie fest, dass es mehr als Aktien und Wertpapiere gab - er begann zu malen und zu reimen. Zunächst zeichnete und klebte er für seine Enkel der Märchenwelt entstammende Motive. Dann folgten augenzwinkernde, aber stets feinfühlige Beobachtungen des menschlichen Miteinander und Kommentare zum Zeitgeschehen. Ab 1929 wurden die frappierend modernen Collagen, Frottagen und Scherenschnitte öffentlich ausgestellt, sogar in Herwarth Waldens Galerie "Der Sturm" und zum letzten Mal 1933 im Frankfurter Städel. Nach seinem Tod 1935 schickte Tochter Irma, die 1944 im KZ Theresienstadt ermordet wurde, zwei Kisten mit rund 25 000 Blättern an den Elsas-Enkel Herbert Raff nach Zürich.

Jetzt ist in den Bremer Kunstsammlungen Böttcherstraße eine repräsentative Auswahl der faszinierenden Arbeiten zu sehen.

Termin: 12. Januar bis 25. März 2007.

Internet: www.pmbm.de/

Collage mit Vers von John Elsas (1931)