Ausgabe: 01 / 2007
Seite: 119
"Von Kleingeistern abgewürgt"
Von Hans Pietsch
Beschluss: Beliebte Eisenmänner müssen Crosby verlassen
Antony Gormley ist schwer erbost: "Die Entscheidung entbehrt jeglicher Logik. Kleingeister haben etwas Ungewöhnliches abgewürgt." So wetterte der Londoner Plastiker über den Beschluss der Stadtväter von Sefton, die auch für den kleinen Ort Crosby zuständig sind, seine Arbeit "Another Place" abzubauen. Das Werk besteht aus 100 lebensgroßen Figuren aus Gusseisen. Die 700 Kilo schweren rostigen Eisenmänner standen seit Juli 2005 am Strand von Crosby nordöstlich von Liverpool. Bei Flut wurden die aufs Meer blickenden Figuren unter Wasser gesetzt. Mehr als 600 000 Menschen kamen, um sie zu sehen.
Eigentlich sollten sie längst nach New York verschifft werden, doch die Bewohner von Crosby hatten sie so ins Herz geschlossen, dass der Stadt ein Antrag vorgelegt wurde, sie für 2,2 Millionen Pfund (3,2 Millionen Euro) zu kaufen und stehen zu lassen.
Nach mehreren Anläufen lehnten die Stadtväter ab. Begründung:
Die Eisenmänner stellten ein Sicherheitsrisiko dar. Einige unvorsichtige Bewunderer der Figuren seien bereits von der Flut überrascht worden - die Küstenwache habe sie retten müssen.
Bereit zum Abmarsch:
Antony Gormleys Werk "Another Place" am Strand von Crosby
Bereit zum Abmarsch: Antony Gormleys Werk Another Place am Strand von Crosby
