Ausgabe: 01 / 2007
Seite: 115
Wer zahlt, will bestimmen
Von Gerhard Mack
Skandal: Mäzen entlässt Direktor des Gertsch-Museums
Vier Jahre lang war es wie im Märchen. 2002 eröffnete der Unternehmer Willy Michel seinem Malerfreund Franz Gertsch in Burgdorf bei Bern ein eigenes Museum. Seither garantierte er ein jährliches Budget von einer Million Franken (rund 628 000 Euro), das Haus erwirtschaftete 2005 eine weitere Million und war bald international vernetzt.
Mit dieser Museumsidylle ist es vorbei: Der Mäzen entließ mit sofortiger Wirkung den künstlerischen Direktor Reinhard Spieler.
Zu Schulden kommen hat sich der deutsche Kunsthistoriker nichts. Die offizielle Begründung der Entlassung ist denn auch vage.
Man müsse künftig sparen, und Spieler sei nicht der rechte Mann dafür, sagt der bisherige Verwaltungsdirektor Arno Stein.
Die Budgetüberschreitung, die man Spieler vorwirft, nennt Jean- Christophe Ammann, einer von jetzt sechs Stiftungsräten des Museums, "eine vordergründige Behauptung".
Willy Michel schweigt zu dem Vorgang. Also gibt es Vermutungen.
Seine Firma Ypsomed hat 2006 an der Börse erheblich an Wert verloren. Doch mehr als dieser Einbruch hat wohl die Umstrukturierung des Museums mit der Entlassung Spielers zu tun.
Bisher unterstand das Haus einer Management AG, die Michel leitet, seit Januar ist die Stiftung Willy Michel zuständig. Der Mäzen will diese mit 20 Millionen Franken dotieren. Er hat aber in dem Stiftungsrat keinen so direkten Einfluss mehr. Also will er wohl lieber einen Befehlsempfänger als Direktor.
Reinhard Spieler, entlassener Direktor des Museums Franz Gertsch
Reinhard Spieler, entlassener Direktor des Museums Franz Gertsch Reinhard Spieler, entlassener Direktor des Museums Franz Gertsch
