Ausgabe: 01 / 2007
Seite: 118

Zwischen nackten Jünglingen

Von Almuth Spiegler

Aktion: Neue Porträts der Stars des Wiener Burgtheaters

Dieser Theatermann ist ein echter Freund der bildenden Kunst: Klaus Bachler, scheidender Direktor des Wiener Burgtheaters, hatte schon Künstler wie den Wiener Aktionisten Hermann Nitsch in sein Haus geholt.

Nun weckte er nach rund einem viertel Jahrhundert die altehrwürdige "Ehrengalerie" des teuersten deutschsprachigen Theaters aus dem Tiefschlaf - und zwar mit einer pfiffigen Aktion:

Der Kunsthistoriker Otmar Rychlik wählte sechs teils angesehene, teils noch unbekannte Künstler aus, die zwölf lebende Stars des Burgtheaters - ausgesucht von Chef Bachler persönlich - porträtierten.

Die Zuteilung erfolgte durch das Los - und der Zufall wählte gut: So konnte Elke Krystufek sich etwa an Klaus Maria Brandauers durchtriebenem Pokerface abarbeiten, übrigens das einzige Porträt, das auf keiner persönlichen Begegnung beruht.

Alle anderen Schauspieler scheuten die Konfrontation mit den Künstlern nicht: Mime Gert Voss etwa ließ sich von Gregor Zivic fotografieren - mit bloßen Füßen in einer Art Rumpelkammer.

Franz Graf zeichnete radikal jede Falte in Elisabeth Orths Gesicht und verlieh ihr mit einem verwegen forschenden Blick starke Präsenz. Und Ilse Haider ließ Schauspielerin Andrea Clausen sich selbst fotografieren - als Femme Fatale zwischen vielen nackten Jünglingen.

Die teils erstaunlichen Arbeiten hängen jetzt zwischen den Pilastern des ersten Pausenfoyers und lassen den Rest der 1776 gegründeten Porträtgalerie des Burgtheaters noch älter aussehen, als er ist.

Pokerface: Klaus Maria Brandauer porträtiert von Elke Krystufek

Andrea Clausen, in Szene gesetzt von Ilse Haider

Pokerface: Klaus Maria Brandauer porträtiert von Elke Krystufek Andrea Clausen, in Szene gesetzt von Ilse Haider