Ausgabe: 01 / 2007
Seite: 116
Millionen am Abend
Von Claudia Bodin
New York: Bei den Herbstauktionen überschlugen sich die Rekorde, und Christie's hängte den Konkurrenten Sotheby's ab
Es war das ganz große Drama. Angefeuert von privaten Me gadeals der jüngsten Zeit übertrumpften sich die Auktionshäuser bei den New Yorker Herbstauktionen mit Rekordverkäufen. "Häuser in Flammen" schrieb das "New York"-Magazin. Sotheby's setzte bei Versteigerungen von Werken des Impressionismus, der Moderne und zeitgenössischer Kunst insgesamt knapp 476 Millionen Dollar (rund 360 Millonen Euro) um - ein durchaus sehenswertes Ergebnis. Doch Christie's degradierte die Konkurrenz mit einem absoluten Rekord in der Geschichte der Kunstauktionen zum Nebenschauplatz:
866 Millionen Dollar (654 Millionen Euro) hat das Haus in zwei Wochen eingenommen, 491 Millionen Dollar (371 Millionen Euro) allein beim Abendverkauf von Impressionismus und Moderne.
Die Auktionen standen im Licht von Restitutionsfällen aus der Nazi zeit. Kosmetikerbe Ronald Lauder sicherte sich für umgerechnet knapp 29 Millionen Euro Ernst Ludwig Kirchners "Berliner Straßenszene" (1913), die der Berliner Senat erst kürzlich an die Erben des jüdischen Sammlers Alfred Hess zurückgeben musste. Maria Altmann erzielte durch den Verkauf von vier Gemälden von Gustav Klimt, die der österreichische Staat an sie restituieren musste, insgesamt 193 Millionen Dollar (146 Millionen Euro). Den Zuschlag für das begehrteste Werk des Abends, Klimts "Porträt von Adele Bloch- Bauer II" (1912), erhielt ein anonymer Bieter für umgerechnet rund 66,4 Millionen Euro.
Ein anderes, groß angekündigtes Werk, Pablo Picassos "Absinth- Trinker" aus dem Besitz von Andrew Lloyd Webber wurde wegen ungeklärter Restitutionsfragen kurz fristig zurückgezogen.
Auch bei Werken der Moderne und Gegenwartskunst gab es Rekorde.
Bei Christie's brachte ein Spätwerk von Willem de Kooning, "Untitled XXV" (1977) 27,1 Millionen Dollar (20,5 Millionen Euro), Andy Warhols "Mao"- Porträt (1972) wurde von Joseph Lau, einen Sammler aus Hongkong, für 17,4 Millionen Dollar (13,1 Millionen Euro) ersteigert.
Bei Sotheby's erzielte ein Bild von Martin Eder, "Bonjour Tristesse" (2003) den überraschenden Preis von 520 000 Dollar (393 000 Euro).
Bietgefecht um Warhols "Mao"
Bietgefecht um Warhols Mao Bietgefecht um Warhols Mao
Bietgefecht um Warhols Mao
