Ausgabe: 01 / 2007
Seite: 117

Auf die Herkunft kommt es an

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Sammeln: Worauf man beim Kauf von Plastiken achten muss - ein Gespräch mit der Ernst-Barlach-Expertin Elisabeth Laur

Nach dem Boom der Malerei liegt nun auch das Sammeln von Skulpturen im Trend. Gefragt sind nicht nur zeitgenössische Bildhauer, sondern auch Plastiken der frühen Moderne. Wer sich für dieses Gebiet interessiert, sollte allerdings genau hinsehen.

Oft werden späte Nachgüsse, so genannte Surmoulagen, von Werken toter Künstler angeboten und Auflagenzahlen verschleiert. art-Korrespondent Joachim Hauschild sprach mit der Kunsthistorikerin Elisabeth Laur, die im Auftrag der Ernst-Barlach- Stiftung in Güstrow ein neues Werkverzeichnis der Plastiken des Künstlers (1870 bis 1938) erarbeitet hat.

Worauf sollten Käufer von Plastiken achten?

Sind Signaturen und Gießermarken besonders wichtig?

Sie sind sicher ein wichtiges Kriterium. Man muss aber auch wissen, dass ihnen früher nicht so große Bedeutung beigemessen wurde wie dies heute der Handel tut. Immer wichtiger werden Herkunftsnachweise. Der Kenner wird sich auch auf sein Auge verlassen müssen. Den alten Güssen kann man ihr Alter oft ansehen, man sieht die natürliche Patina.

Was die Plastiken von Ernst Barlach angeht, herrscht auf dem Kunstmarkt seit langem größere Unsicherheit. Das erste Werkverzeichnis von Friedrich Schult, einem engen Weggefährten Barlachs, erschien 1960 und ist seit langem vergriffen.

Dieses Verzeichnis hat ohnehin viele Lücken. Hinzu kommt: Die Urheberrechte für Barlach enden 70 Jahre nach seinem Tod, also 2008. Dann kann jeder machen, was er will. Es war die Intention der Stiftung, hier Sicherheit zu schaffen.

Haben Sie neue Plastiken von Barlach entdeckt?

Nein. Aber es gibt doch, etwa im Bereich der Keramik, neue Erkenntnisse.

So habe ich herausgefunden, dass Barlach zusammen mit Karl Garbers den Giebel für das alte Rathaus in Hamburg- Altona entworfen hat.

Bis heute sind viele Güsse postum entstanden, was der Kunsthandel gern verschleiert.

Ja, es wurde nach Barlachs Tod 1938 weitergegossen - ausschließlich übrigens bei der Gießerei Noack in Berlin. Und das ist eigentlich erstaunlich, da Barlach unter den Nazis als "entartet" galt.

Es heißt, die Lizenzverwaltung in Ratzeburg, also der Barlach- Enkel Ernst, sei zuletzt an unkontrollierten Güssen nicht ganz unschuldig.

Seit den achtziger Jahren werden neue Güsse nummeriert, die Anzahl, in der Regel sechs oder zwölf, wird anfangs festgelegt und nicht überschritten.

Welchen Einfluss wird Ihr Werkverzeichnis haben?

Ich hoffe, dass es den Markt für Sammler, Kunsthändler und Museen offener und übersichtlicher macht.

Internet: www.barlach-stiftung.de

In 16 Exemplaren gegossen: Ernst Barlachs "Melonenesser" von 1907

Barlach-Forscherin Elisabeth Laur