Ausgabe: 01 / 2007
Seite: 8-9
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Für die Kunst in die Wanne "Would you like to participate in an artistic experience?", fragte der brasilianische Künstler Ricardo Basbaum im Vorfeld der Kasseler Documenta 12 (16. Juni bis 23. September). Viele Menschen - wie hier in Kassel, aber auch zum Beispiel in Ljubljana, Mexiko-Stadt oder Dakar (Senegal) - beteiligten sich: Sie sollten sich eine gewisse Zeit mit einem wannenartigen Objekt Basbaums beschäftigen und ihre Erfahrungen durch Texte, Fotos oder Videos dokumentieren - zu sehen auf der Documenta.
KUNSTPREISE Wo sahnt man richtig ab?
1. Kyoto-Preis. Mit umgerechnet rund 330 000 Euro die höchstdotierte Auszeichnung in der Kunst.
2. Praemium Imperiale. Umgerechnet rund 100 000 Euro von der Japan Art Association.
3. Pritzker-Preis. Der jährlich vergebene "Nobelpreis" für Architektur ist mit umgerechnet 83 000 Euro dotiert.
4. Preis der Nationalgalerie für junge Kunst. 50 000 Euro gibt es für den deutschen Nachwuchspreis.
5. Turner-Preis. Umgerechnet rund 37 000 Euro für eine herausragende Ausstellung in Großbritannien.
Fototapete mit Palmenbucht, Laura-Ashley-Kitsch oder kreischiger Retro-Chic - wer angesichts weißer Wände seinen Horror Vacui geschmackvoll bekämpfen will, findet kein Angebot. Das muss nicht sein. Das New Yorker Wallpaper LAB führt Tapeten von Künstlern, die echte Vertiefung in den Wandschmuck zulassen. Etwa bei der Lektüre von Schlagzeilen oder einer stillen Wasserlandschaft. Leider nicht ganz billig: Bis 50 000 Dollar kosten die limitierten Exemplare.
Egal, ob "Fahrenheit 451" nach dem Roman von Ray Bradbury, "Der Auftrag" von Heiner Müller oder "Die Familie Schroffenstein" nach Heinrich von Kleist auf der Bühne der "Schmidtstraße 12", dem künstlerischen Experimentierfeld des Schauspiel Frankfurt am Main, gegeben wird - das Bühnenbild ist eine große Herausforderung für jeden Regisseur. Denn der holländische Künstler Joep van Lieshout (Gründer des Kollektivs Atelier van Lies hout) setzte unter dem Oberbegriff "Der moderne Mensch" nicht nur zwei Holzarchitekturen auf die Bretter des Hauses, sondern auch die riesige Nachbildung einer Gebärmutter mit Eierstöcken und Vagina als permanentes Bühnenbild. Und alle Regisseure, die in den kommenden Monaten diese Bühne bespielen wollen, müssen ihre Inszenierung der ausgefallenen Installation van Lieshouts anpassen. Wie die Theaterleute damit umgehen - ob sie die anatomische Plastik einfach ignorieren oder sie lieber doch mit einbeziehen -, wird spannend werden.
GELDPARADE Hey, Big Spender!
Unter den 100 einflussreichsten Menschen laut US-Magazin "Vanity Fair" sind zum ersten Mal neun Herren aus der Kunstwelt:
19. Bernard Arnault, 57, französischer Konzernchef (LVMH) und Sammler zeitgenössischer Kunst.
26. François Pinault, 70, Intimfeind Arnaults, Milliardär und Käufer des Palazzo Grassi in Venedig für seine Sammlung moderner Kunst.
29. Steve Cohen, 50, Hedge-Fund-Manager, dem kürzlich der eingelegte Hai von Damien Hirst weggefault ist.
40. Ronald Lauder, 62, kaufte Gustav Klimts "Adele Bloch-Bauer I" für 135 Mio. Dollar.
77. Frank O. Gehry, 77, kalifornischer Architekt und damit einziger Künstler auf der Liste.
78. Eli Broad, 73, einer der aktivsten und reichsten Sammler der USA.
85. Larry Gagosian, 61, legendärer Galerist aus New York, besitzt ein Kunsthandels-Weltimperium.
90. Charles Saatchi, 63, ehemaliger Werbemogul. Dank seiner Einkäufe wurde die Young British Art zu einer etablierten Kunstmarke.
96. Jean Pigozzi, 54, Investor und Sammler mit ausgeprägtem Faible für afrikanische Kunst.
In Galerien in Los Angeles wie der von Karyn Lovegrove oder Paul Kopeikin liegen neuerdings neben Perrier- und Chardonnay- Flaschen auch kleine Pappschachteln mit knallsüßem Orangensaft. Der ist für die neues te Kundenschicht bestimmt:
Kinder unter fünf Jahren.
Zum Beispiel der zweijährige Max MacLaren, dessen Eltern sein Zimmer mit Gemälden von Marcel Dzama und Monique Prieto dekorierten und die dafür 9000 Dollar ausgaben.
Galeristentochter Cosima Lovegrove (Foto) spielt unter Bildern von Karen Kilimnik.
Der größte Synagogenneubau Europas wurde kürzlich in München eröffnet. Das Gebäude auf dem Jakobsplatz neben dem Viktualienmarkt ist als Glasschrein hinter einer Travertin-Ummantelung ausgeführt, die an die Klagemauer in Jerusalem erinnert. Die Ohel-Jakob-Synagoge wurde nach dem Entwurf des Saarbrücker Büros Wandel, Hoefer, Lorch gebaut, das bereits die vielbeachtete Neue Synagoge in Dresden entworfen hat, und ist Teil eines dreiteiligen Ensembles mit Museum und Gemeindezentrum.
In einem unterirdischen Gang wird an die ermordeten Juden Münchens erinnert.
Das ist schönstes Amtsdeutsch:
Hinter "Bundesamt für Bekleidung", verbirgt sich aber eine Initiative von Studenten des Studiengangs "Style und Design" an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich. Sie setzen sich spielerisch und zugleich kritisch mit Mode und deren Erscheinungsformen auseinander. Zu sehen auf der Modemesse Premium Berlin, 26.- 28. Januar 2007 (www. premiumexhibition.com/).
SÜSSE MESSE Der Titel der nächsten "Fine Art Fair Frankfurt" habe etwas mit Süßigkeiten zu tun, wussten Eingeweihte vorab zu berichten; man dachte unwillkürlich an "Ahoi-Brause". Schließlich ist Messeleiter Michael Neff dafür bekannt, dass er die maritime Gruß- und Abschiedsformel "Ahoi" erfolgreich in die junge Kunstszene transferiert hat. Bereits die erste Fassung seiner neu konzipierten Kunstmesse im Frühjahr 2006 hatte Neff unter ein Motto gestellt und damit verdeutlicht, dass ihm der Ausstellungscharakter wichtig ist. "high & low" allerdings war mehr als zweideutig, zwar von entwaffnender Offenheit, aber reichlich beliebig. Den Fehler macht Neff kein zweites Mal. "Quality Street" heißt es im April, und man darf sich zu Recht an ein Konfekt erinnert fühlen, auf dessen Packung eine lila gewandete Lady mit einem uniformierten Herren flaniert. Neffs "Quality Street" ist als reine Skulpturenmesse geplant. Hoffentlich gibt es da von den fantastischen goldenen Brocken nicht so wenige wie in der gleichnamigen Pralinendose.
Von wegen jungfräuliche Geburt: Die Maria im Gemälde der US-Künstlerin "14" hat einen sinnlichen Schmollmund und guckt auch sonst nicht eben unschuldig. Sie und Josef tragen eindeutig die Züge von Angelina Jolie und Brad Pitt, das Baby allerdings gleicht eher ET. Ihre Schauspielerporträts in verschiedenen Stilvarianten sind derzeit der Renner und werden von der Gallery of the Absurd (http://galleryoftheabsurd. com) als Poster vertrieben.
Schriller als bei David LaChapelle geht es kaum. Der amerikanische Fotograf erfindet operettenhafte Situationen von knalliger Einprägsamkeit ("Das Haus am Ende der Welt", 2005). Nun sind seine Arbeiten in Berlin zusammen mit James Nachtweys Kriegsbildern und Helmut Newtons Männerporträts zu sehen (Helmut-Newton-Stiftung, bis 20. Mai 2007). Empfehlung für LaChapelle-Fans: das neue Buch "Heaven to Hell", Taschen-Verlag, 49,99 Euro.
Mit dem Arirang-Festival, benannt nach dem beliebtesten koreanischen Volkslied, feiert Nordkorea jedes Jahr den 1994 gestorbenen Diktator Kim Il Sung. Spielmannszüge beschallen dann die Festhallen, und auf den Rängen wechseln lebende Bilder: Menschen halten bunte Tafeln hoch, die sich zu Propaganda-Motiven fügen. Der französische Fotograf Philippe Chancel hat in seinem Buch "Nordkorea" (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 45 Euro) surreale Szenen wie diese festgehalten.
Mit jungen Leuten entwickelte Martina Preuß in Kassel "Aktionen zwischen dem Objekt, der Gruppe und der Stadt"
Elke Endlich bat Senioren und Seniorinnen zum Fußbad mit Sekt und Selters in die mit Schaumbad gefüllte Wanne
Die Kids einer Flötengruppe folgten dem Ruf von Elke Endlich, erklärten die Wanne zum Boot und stachen in See
Präsentation bei Lennon, Weinberg, Inc. New York (links). "New York Times Headlines 1990-2005" von A. J. Bocchino (gesamt/Ausschnitt)
Platz für Erwachsene:
Gebärmutter-Plastik von Joep van Lieshout
Kinderzimmer von Cosima Lovegrove, Kunst von Kilimnik
Über dem Innenraum der Synagoge (links) erhebt sich ein 20 Meter hoher Glasschrein
Projekt "Uniformen für Beamte und Beamtinnen"
Namensgeber: "Quality Street"-Konfekt, Termin: 13.-15. April
"Brangelina" (links) mit Jolie und Pitt, Tom Cruise und Katie Holmes mit Tochter Suri
