Ausgabe: 01 / 2007
Seite: 89
Recherchen über ein Schmusetier
Von Adrienne Braun
Die Städtische Galerie untersucht das Motiv der Katze in der bildenden Kunst KARLSRUHE: AUF LEISEN PFOTEN
Wenn die Kinder artig beim Schein der Lampe ihr Brot essen, schaut die Katze zu - und es könnte gut sein, dass sie gleich vom Teller naschen wird. Die Idylle, die Pierre Bonnard um 1906 gemalt hat, ist perfekt: Die Katze, so scheint es, ist der beste Freund des Menschen. Das war nicht immer so - das ist zumindest das Ergebnis der Recherchen, die Erika Rödiger-Diruf, Leiterin der Städtischen Galerie Karlsruhe, für ihre Ausstellung "Auf leisen Pfoten" angestellt hat.
Rödiger-Diruf, die im März in Ruhestand geht, widmet sich in ihrer letzten Ausstellung einem Thema, das wenig untersucht wurde. "Man wundert sich, dass es bisher keine Ausstellung zur Katze in der Kunst gab", sagt sie und hat gleich ein ganzes Kuratorenteam auf das "ungeheuer komplexe Thema" angesetzt.
Lange galt die Katze als verfressen, sexistisch und unseriös, erst Mitte des 19.
Jahrhunderts wandelte sich das: Für die Bewohner der Großstadt Paris wurde sie ein beliebtes Haustier, das nun als anhänglich, mütterlich und liebevoll galt. Im Impressionismus wurde sie häufig als dekoratives Accessoire mit Frauen in Verbindung gebracht. In den zwanziger Jahren ist die Katze mythisch verklärt wie bei Ernst Ludwig Kirchner, der den "Schwarzen Kater" (1924/26) als geheimnisvolles violettes Wesen malte, während Künstler der Gruppe Cobra die Katze wegen ihrer Eigenwilligkeit und Selbstbestimmtheit als Spiegel ihrer selbst sahen. 350 Werke zeigt die Städtische Galerie, neben Malerei und Skulpturen werden auch Comics und satirische Zeichnungen gezeigt sowie Trickfilme wie "Tom und Jerry".
Die Ausstellung führt bis in die Gegenwart, wo das Katzentier in nie gekannter Vielschichtigkeit gedeutet und verkunstet wird. Sogar als Zivilisationsopfer wird das zahme Raubtier nun vorgeführt:
Patricia Waller zeigt die gehäkelte Version eines Unfalls: "Accident 5" heißt das makabre Werk, das eine überfahrene Katze zeigt. Ende der süßen Romantik.
Termin: bis 15. April 2007. Katalog: Kehrer Verlag 19,80 Euro, im Buchhandel 29,80 Euro.
Internet: www.staedtische-galerie.de
Makaber: "Accident 5" (2004, Länge 70 cm), überfahrene Häkel-Katze von Patricia Waller
Beliebtes Plakatmotiv: Théophile-Alexandre Steinlen: "Die Katzen" (1910, 58 x 58 cm)
