Ausgabe: 01 / 2007
Seite: 86

Hier dürfen Besucher Papier machen

Von Gerhard Mack

Eine Ausstellung des Schweizer Künstlers im Museum für Gegenwartskunst BASEL: CHRISTIAN PHILIPP MÜLLER

Bevor er Künstler werden durfte, musste er Buchdrucker lernen. Die Eltern wollten für den Sohn einen "richtigen" Beruf. An die vier Jahre in einer Druckerei erinnert Christian Philipp Müller jetzt in einer Installation, die er eigens für das Basler Museum für Gegenwartskunst entworfen hat. Der ältere Teil des Hauses war lange Zeit eine Papierfabrik. Das Mühlrad für die Papiermühle um die Ecke, die heute ein Papiermuseum beherbergt, wird als Modell nach gebaut. Wer will, kann alte Kleider aus Baumwolle mitbringen, die dann zu Papier verarbeitet werden.

Was nach einem Projekt der Kontextkunst - Kunst, die Kunst reflektiert - aussieht, zu deren Hauptvertretern der 1957 in Biel geborene und seit 1992 in New York lebende Künstler zählt, erhält unversehens eine persönliche Note: Der "Gautschbrief", der Müllers Ausbildung als Buchdrucker und Schriftsetzer nach mittelalterlicher Sitte beglaubigt, hängt an der Wand, so wie in einem Friseursalon, in dem sich der Inhaber mit dem Stolz eines Handwerkers präsentiert, der es geschafft hat, seinen eigenen Betrieb zu eröffnen. "Wir wollen Christian Philipp Müllers Arbeit als eine kritische Selbstdarstellung zeigen", sagt der Kurator der Ausstellung, Philipp Kaiser. Für ihn macht die Qualität der Interventionen des Schweizers gerade aus, dass sie zwar die Zusammenhänge offenlegen, in denen Museen, Ausstellungen und Künstler stehen, dass er sich aber stets als Subjekt dieser Untersuchungen zeigt.

Sichtbar wird dies an vielen Performances, die Müller, oft durchaus mit Humor, realisiert hat. So balancierte er 1997 bei der Documenta 10 auf einem Seil zwischen dem vergrabenen Erdkilometer Walter de Marias und den Eichen von Joseph Beuys auf dem Vorplatz des Fridericianums. Das Seil spannte sich auf dem Boden, der Künstler überquerte mit seiner Balancierstange keinen Abgrund, sondern stellte zwischen den einander fremden Künstlern einen Zusammenhang her.

Termin: 19. Januar bis 15. April 2007.

Katalog: Hatje Cantz Verlag, 35 Euro.

Internet: www.kunstmuseumbasel.ch

Videostill aus dem Film "Illegale Grenzüberquerung zwischen Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein" (1993/2005)