Ausgabe: 01 / 2007
Seite: 88-89
Wiederentdeckung
Von Petra Bosetti
In der Kunsthalle: erste Einzelausstellung des Malers nach 22 Jahren ERFURT: MILAN KUNC
Was macht eigentlich ..." heißt eine Rubrik im "Stern", wo nach dem Verbleib von Prominenten gefahndet wird, die irgendwie weg vom Fenster sind. "Was macht eigentlich Milan Kunc?" Diese Frage drängt sich bei dem 1944 in Prag geborenen Künstler auf, der von Ende der siebziger bis Ende der achtziger Jahre ein Star der neuen deutschen Malerei war. Ein Blick in die Liste seiner Ausstellungen zeigt: Im Ausland von Italien über Niederlande, Skandinavien bis Island war Kunc auch seit 1990 durchaus präsent, in Deutschland aber ist er - bis auf spärliche Galerie- und Gruppenausstellungen - ein wenig in Vergessenheit geraten. Das soll sich jetzt ändern.
Die Kunsthalle Erfurt ist nach dem Düsseldorfer Kunstverein und dem Düsseldorfer Stadtmuseum (1984) das erste öffentliche Kunstinstitut, das dem Maler wieder eine Ausstellung ausrichtet. Die Schau geht anschließend in die Prager Nationalgalerie.
Tatsächlich gebe es "wieder ein malerisches Umfeld figurativer Malerei in Deutschland, das den Blick auf etwas lenken kann, was vor nicht allzu langer Zeit präsent war, aber nun vielleicht aus der Mainstream-Aufmerksamkeit herausgerutscht ist", so Kai-Uwe Schierz, Direktor der Kunsthalle.
Gestern wie heute ist die Malerei von Kunc geprägt von trivialen, manchmal kitschig wirkenden Motiven, die er in Reklameflächen, Buchillustrationen, Kaufhaus- Kunst, aber auch bei Alten Meistern fíndet. Seine Fundstücke fügt er zu schrillen, auch dramatischen und verrätselten Bildern zusammen. Das erscheint so nur auf den ersten Blick. Die Gemälde seien mit Einschränkungen "alles andere als lustig, bunt und eindimensional", konstatiert Schierz. Kunc "klotzt uns heroische Allegorien vor die Augen, über die wir lächeln dürfen (sollen), aber ohne sarkastisch zu werden".
Kunc gehörte mit den Malern Peter Angermann und Jan Knap zu der Gruppe "Normal" die 1979/80 ihren "Punkpop" zelebrierte, eine ironische Variante des sozialistischen Realismus, mit der sie die plakative Ostblock-Propaganda durch den Kakao zogen. Die Zusammenarbeit währte nur ein Jahr, aber 2005 traten die drei zum ersten Mal wieder gemeinsam auf der Prag-Biennale auf, "technisch aus gereifter als damals", so Kunc, "natürlich auf allen Ebenen".
Termin: 21. Januar bis 25. Februar 2007.
Gefördert vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.
Internet: www.kunsthalle-erfurt.de
Ein bizarres Panzerfahrzeug zieht in den "Vitaminkrieg" (2005, 130 x 150 cm)
