Ausgabe: 01 / 2007
Seite: 82-85

Das Lächeln Kambodschas

Von Petra Bosetti

Die Kunst- und Ausstellungshalle zeigt Kunstschätze aus dem Nationalmuseum Phnom Penh BONN: ANGKOR

König Jayavarman VII. ist in Kambodscha allgegenwärtig. Der König des Volkes der Khmer scheint noch heute, rund 900 Jahre nach seinem Tod, der Prototyp des Kambodschaners zu sein: Sein stilles Lächeln, die weichen, sanft geschwungenen Lippen, den meditativ- schläfrigen Blick meint der Besucher allenthalben in den Straßen der Hauptstadt Phnom Penh oder im ländlichen Siem Reap zu erkennen. Nahe der Kleinstadt steht der gewaltigste Tempel Südostasiens, Ang kor Wat, und dort sieht man die Reste der einstigen Großstadt Angkor Thom. In deren Zentrum steht der Tempel Bayon mit seinen ehemals 54 Türmen, die von jeweils vier steinernen Porträts eines Erleuchteten flankiert sind. Sie sollen dem Gesicht von Jayavarman VII. nach empfunden sein. Eine der schönsten Büsten dieses Herrschers steht im Nationalmuseum von Phnom Penh. Leider bekommen viele Besucher Kambodschas dieses beeindruckende Antlitz und auch die anderen sensationellen Kunstschätze nicht mehr zu sehen, da immer mehr Reiseveranstalter von Bangkok aus direkt nach Siem Reap fliegen. Was ihnen da entgangen ist, können sie nun in der Bundeskunsthalle bestaunen: Zum ersten Mal sind Kambodschas Meisterwerke in Deutschland zu sehen - rund 140 Stein- und Holzplastiken, Bronzefiguren, sowie einige Silberarbeiten und Malereien, ergänzt durch Arbeiten aus dem Indischen Museum in Berlin und dem Musée Guimet in Paris. Die ältesten Objekte stammen aus der Vor-Angkor-Zeit (7. und 8. Jahrhundert) - wie eine Skulptur der Hindugöttin Durga, die auch ohne Kopf von berauschender Schönheit ist. Hier vereinen sich bereits in Perfektion alle Merkmale der Khmer-Plastik aus der eigentlichen Angkor-Periode: weich fließende Linien und Konturen, elegante Körperhaltung, meisterliche Bearbeitung des spröden Sandsteins.

Die Klassische Khmer-Periode begann im frühen 9. Jahrhundert, als König Jayavarman II. (um 770 bis 850) das Land von dem Volk der Chenla zurückeroberte.

Unter ihm wurde der Shiva- Kult zur Staatsreligion. Einer seiner Nachfolger, Suryavarman II. (vor 1113 bis 1150) bekannte sich zu Gott Vishnu, Jayavarman VII. machte den Buddhismus zur Staatsreligion. So wird im hinduis tischen Angkor Wat auch Buddha verehrt.

Das Nationalmuseum, 1920 eröffnet, ist im klassischen Khmer-Stil gehalten: aus rotem Sandstein, mit geschwungenen, mehrfach gestaffelten Dächern. Im Inneren des Hauses künden Schimmelflecken von dem feuchten Klima des Landes, die Beleuchtung ist funzelig - aber in solchen Räumen entfalten die Skulpturen der Khmer erst recht ihre einzigartige Pracht.

Termin: bis 9. April 2007. Katalog: Prestel Verlag, 29 Euro, im Buchhandel 59 Euro.

Internet: www.kah-bonn.de/

Gott Shiva mit Gefährtin Umamahesvara (2. Hälfte 10. Jahrhundert, Höhe 94 cm)

Fragment einer Statue des Vishnu Anantasayin - eine Darstellung des Gottes, der sich auf dem Rücken der Ur-Drachin Ananta träumend die Energie und Kraft zur Erschaffung der Welt holt

Khmer-Kunst in Vollendung: Torso der Göttin Durga (7. Jahrhundert, Höhe 206 cm). Rechts: Vishnu (1. Hälfte 9. Jahrhundert, Höhe 196 cm)

Verhaltenes Lächeln, versunkener Blick: Porträtbüste von König Jayavarman VII. (Ende 12. Jahrhundert, Höhe 41 cm)