Ausgabe: 01 / 2007
Seite: 88

Suche nach dem Selbstbewusstsein

Von Andrea Henkens

Das Museum Folkwang gibt erstmals in Deutschland einen Überblick über die Porträts der Niederländerin, die Jugendliche in der Pubertät fotografiert ESSEN: HELLEN VAN MEENE

Ruhig und klassisch in der Bildauffassung wirken die Porträts nur auf den ersten Blick. Schon bald macht sich beim Betrachten der pubertierenden Mädchen, jungen Frauen und androgynen Jungen ein diffuses Gefühl von Unbehagen breit. Es ist ein ambivalentes Alter:

In vorsichtig inszenierten Posen, in Farbe aufgenommen, bewegen sich die heranwachsenden Modelle auf unsicherem Terrain zwischen Melancholie und Hoffnung, zwischen Kindheit und Erwachsensein, auf der Suche nach dem eigenen Selbstbewusstsein und einer eigenen sexuellen Identität.

Van Meene (Jahrgang 1972) fasziniert dieses Stadium des Übergangs schon viele Jahre. Die Fotos der Niederländerin sind voller Andeutungen und Symbole, die mit dem Prozess des Erwachsenwerdens verbunden sind. Dabei zeigt van Meene die Protagonisten selten in Aktion, deren Blick begegnet kaum dem des Betrachters. Die Augen sind oftmals verschlossen oder schauen ins Leere. Häufig sieht man irritierende Dinge wie ein Hauch von Lippenstift auf dem Mund eines Jungen, in Zweigen verfangene lange Haare. Ein Mädchen, das mit dem Baum, an dem es lehnt, im selben Jogginganzug steckt, ein Kopf in einem Drahtkorb, der wie eine Falle wirkt, oder eine Zahnspange mit Kopfgestell, die die Zähne eines Mädchens in Form zwingt.

In Essen sind nun neben älteren Arbeiten die jüngsten Porträtserien zu sehen, die seit 2000 auf Reisen durch Deutschland, Großbritannien, Lettland, Russland und Japan entstanden sind. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei seit 2004 auf Aufnahmen von kindlichen, minderjährigen Müttern und Schwangeren.

Termin: bis 25. Februar 2007. Kataloge: Schirmer/ Mosel Verlag, Portraits, New Works, je 29,80 Euro.

Internet: www.museum-folkwang.de

Vorsichtig inszenierte Posen:

Foto ohne Titel (1995) von Hellen van Meene