Ausgabe: 01 / 2007
Seite: 114

Doppelter Schaden

Von Marcus Clauer

Museen I: Finanznot nach Bildraub in Mannheims Kunsthalle

Seit Rolf Lauter die Kunsthalle Mannheim leitet, ist das städtische Haus in Bewegung - aufwärts. Scheinbar mühelos bedient sich der Galeristensohn seiner internationalen Netzwerke, um mit attraktiven Sonderausstellungen Besucher anzulocken.

In vier Jahren hat er über zwei Millionen Euro an Sponsorengeldern eingeworben. Zum diesjährigen Stadtjubiläum wird die Schau "Goya - Manet - Picasso" aus dem New Yorker Museum of Modern Art gastieren.

Doch mit dem Organisatorischen und den Finanzen hat Lauter es leider nicht so. Seiner Inthronisation 2002 in Mannheim folgten heftige Personalquerelen.

2003 hat Lauter dann in Mannheim rund eine halbe Million Euro an Spenden aufbringen müssen, denn um diesen Betrag hatte er sein Budget überzogen. Als er jetzt wieder 850 000 Euro über seinem Limit lag, reichte es der Stadt. Es wurde entschieden, den Kreativen zu "entlasten". Für Finanzen und Organisation soll in Zukunft ein gleichberechtigter zweiter Museumsleiter zuständig sein. Er könne mit der Entscheidung "gut leben", erklärt Lauter.

Schuld an der Misere trägt er diesmal auch nur indirekt. Die Mehrkosten hängen größtenteils mit einem Diebstahl zusammen.

Nach der langen Nacht der Museen im März 2006 fehlte der Kunst halle das Bild "Friedenszeit" von Carl Spitzweg (1808 bis 1885). Die Versicherung forderte als Bedingung für die Zahlung der Entschädigung in Höhe von 500 000 Euro mehr Sicherheit. So wurde unter anderem die Zahl der Aufsichten von sechs auf 14 aufgestockt.

Allein diese Maßnahme schlug mit 430 000 Euro zusätzlich zu Buch. Ausgeglichen werden dürfen die Mehrkosten aber nicht mit dem Versicherungsgeld.

Denn der Gemeinde rat hat entschieden, die 500 000 Euro bereitzuhalten, falls das Spitzweg- Bild wie der auftauchen sollte.

Durch den Diebstahl von Carl Spitzwegs "Friedenszeit" in Bedrängnis:

Rolf Lauter

Durch den Diebstahl von Carl Spitzwegs Friedenszeit in Bedrängnis: Rolf Lauter