Ausgabe: 01 / 2007
Seite: 112
"Unredlichliche" Forderungen
Von Susanne Altmann
Museen: Klamme Adelshäuser erheben Besitzansprüche
Das Magazin des Stadtmuseums Gera beherbergt einen echten Silberschatz: einen Prunktisch sowie zwei Beistellmöbel, die der Augsburger Goldschmied Bernhard Heinrich Weyhe um 1737 für das thüringische Fürstenhaus Reuß hergestellt hat.
Doch werden die edlen Stücke nicht öffentlich gezeigt, denn sie gehören per Restitutionsbeschluss den Nach fahren der Reußen. Seit 1998 aber sind sie im Verzeichnis national wertvollen Kulturguts aufgelistet und dürfen nicht ins Ausland veräußert werden. Dieser Status gefiel Prinz Heinrich XIII. Reuß gar nicht, und so klagte er beim Geraer Verwaltungsgericht auf Löschung seines Eigentums aus der Liste. Er verlor.
Für die Geraer Museumsleute heißt das aber nicht, dass sie die Garnitur wieder zeigen dürfen.
Vom bereits 1997 erteilten Vorkaufsrecht konnte Gera keinen Gebrauch machen: Der Schätzwert von 3,5 Millionen Euro überstieg die Möglichkeiten der Stadt. "Wir würden uns aber über einen Leihvertrag freuen", sagt Museumschefin Ute Heckmann, "doch die Möbel könnten auch jederzeit abgeholt werden." Der Prinz, dessen Familie 1998 rund 700 restituierte Kunstgegenstände für etwa sechs Millionen Mark versteigert hatte, geht zudem in die Berufung.
Auch die Wettiner melden neue Ansprüche an: Sie fordern von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 1600 Porzellanobjekte zurück - etwa 25 Prozent des Bestands der Porzellansammlung.
Sachsens Kunstministerin Eva- Maria Stange hält dieses Ansinnen für "unredlich". Schließlich wurde 1999 mit dieser Adelsfamilie ein Kompromiss geschlossen.
Der Frei staat gab 6000 Objekte ab, durfte 12 000 Werke behalten.
Im Gegenzug erhielt das Haus Wettin eine Entschädigung. Doch verweisen die Wettiner auf eine Klausel, die neue Forderungen zulässt für den Fall, dass weitere Schätze aus dem Besitz ihrer Ahnen auftauchen. Stange prüft nun ebenfalls eine Aufnahme der Porzellane in die Schutzliste nationalen Kulturguts. Dann wäre zumindest der grenzüberschreitende Verkauf verhindert.
1600 Porzellane fordern die Wettiner von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zurück (links). Reußen- Prinz Heinrich XIII. möchte über sein in Gera deponiertes, national wertvolles Silbermöbel (rechts) frei verfügen
1600 Porzellane fordern die Wettiner von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zurück (links). Reußen- Prinz Heinrich XIII. möchte über sein in Gera deponiertes, national wertvolles Silbermöbel (rechts) frei verfügen
