Ausgabe: 01 / 2007
Seite: 112

Entschleunigen

Von Kito Nedo

Documenta: Bildungsprogramm unterstützt das Kunstereignis

Was tun?", lautet eine der drei Leitfragen der im Juni startenden Documenta (D12). Die Antwort heißt: "Lernen, lernen und nochmals lernen." Mit der Definition der Großausstellung als Bildungsinstitution will Documenta- Leiter Roger M. Buergel einen Gegenpol zum grassierenden Ereigniskult um die Kunst schaffen. Ein forciertes Vermittlungsprogramm, so verkündete er in Berlin auf der jüngsten Pressekonferenz, soll im Kunstjahr 2007 mit den beiden großen Konkurrenzveranstaltungen - wie "Skulptur. Projekte. Münster" oder der Biennale in Venedig - helfen, das Profil seiner Mammutschau zu schärfen.

Dabei ist der selbsterteilte Bildungsauftrag in Kassel nichts Neues - diskutiert und gelernt wurde hier schon oft, sei es in Joseph Beuys' 100-tägigem Documenta- Büro 1972 oder aus Anlass von vier "Plattformen", mit denen Okwui Enwezor vor fünf Jahren einen diskursiven Rahmen um das Ausstellungsereignis schuf. Buergel steht also in bester Tradition, wenn er sich nicht auf Katalog oder Audio guide verlassen möchte, um dem Publikum in Sinne einer "ästhetischen Erziehung" über die "letzte Schwelle" zu helfen. Dafür sollen Führungen nicht unter zwei Stunden angeboten und so genannte "Palmenhaine" im Ausstellungsparcours platziert werden, wo das Gesehene eingehend diskutiert werden kann. Documenta-Vermittlungschef Ulrich Schötker will durch derlei Maßnahmen den Rundgang deutlich .

Auch das Monopol der Kunsterklärung durch Kuratoren, Wissenschaftler und Journalisten soll problematisiert werden, zum Beispiel im Rahmen des Programms "Die Welt bewohnen".

Hier sollen etwa 80 Schülerinnen und Schüler zwischen 13 und 19 Jahren erwachsene Besucher durch die Ausstellung führen und ihr zuvor in Werkstätten und Diskussionen erworbenes Wissen weitergeben.

Derartig avancierte Bildungsbestrebungen kosten Geld - und noch fehlen Buergel einige Millionen Euro im Budget. Immerhin scheint dank des neuen Sponsors Saab sicher, dass eine temporäre Ausstellungshalle von den französischen Architekten Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal in der Kasseler Karlsaue gebaut werden kann.

Internet: www.documenta12.de

Setzt auf Bildung: Roger M. Buergel, Leiter der Documenta 12

Setzt auf Bildung: Roger M. Buergel, Leiter der Documenta 12 Setzt auf Bildung: Roger M. Buergel, Leiter der Documenta 12