Ausgabe: 01 / 2007
Seite: 122
NACHGEFRAGT
Von
Bernd Engelhardt, 61, Hauptkonservator des bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, ist zusammen mit Archäologenkollegen bei Grabungen nahe dem Nordfriedhof in Landshut auf eine antike Müllhalde gestoßen. art: Was haben sie auf der antiken Müllkippe gefunden?
Engelhardt: Tierknochen, Scherben von Töpfen, Fragmente von Steingeräten. Wir sind da schließlich voll in der Jungsteinzeit.
Um 4700 vor Christus war hier ein Dorf.
Deren Bewohner den Müll brav entsorgt haben? Woher wissen sie, dass sie die Abfälle nicht einfach vor die Tür gekippt haben?
Es finden sich immer nur Teile von Gefäßen, das heißt, dass sie nicht an Ort und Stelle kaputt gegangen sind, sondern dass die Hausfrau die Reste zusammengekehrt, aber eben nicht alle Teile erwischt hat.
Das klingt so, als seien es recht zivilisierte Herrschaften gewesen?
Es war eine interessante Kultur. Man kann von fünf bis zehn Gehöften ausgehen, es waren sehr große Häuser. Die Gefäße, die wir gefunden haben, zeigen schöne Ziermotive.
Damals gab es in Bayern riesige Tempelanlagen so wie in Stonehenge, nur 2000 Jahre älter - und leider aus Holz.
Wäre es nicht befriedigender, wertvolle Objekte zu finden statt eine Müllkippe?
Als Archäologe freut man sich immer, das muss nicht alles Gold und Silber sein.
