Ausgabe: 07 / 2006
Seite: 109
Flohmarkt mit Teppichboden
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Antiquitäten: Kommerz regiert die Pariser Trödelmärkte
On ne sait jamais, man weiß ja nie, soll Jean Cocteau gesagt haben. Er gehörte mit seinen Freunden in den zwanziger und dreißiger Jahren zu den ständigen Besuchern des bis heute größten Antiquitätenmarkts der Welt, dem "Marche aux Puces de Saint-Ouen", wie er heißt, oder, nach der nächstgelegenen Metrostation, einfach Porte de Clignancourt.
Gegen 1870 haben sich hier, außerhalb der Pariser Mauern die ersten Händler angesiedelt. 1885 wurde der Flohmarkt offiziell gegründet. Heute finden sich hier rund 1400 Händler verteilt auf sieben Hektar und 15 unterschiedliche Märkte, von denen der Marche Serpette als Eldorado des Jugendstils gilt, während Marche Paul Bert, nach 1945 gegründet, die Moden setzt - derzeit gefragt sind Objekte der siebziger Jahre.
Hier haben inzwischen weltweit bekannte Händler wie etwa Philippe Jousse, Spezialist für Möbelstücke von Jean Prouve, Charlotte Perriand oder seit kurzem Mathieu Mategot, angefangen. Während man auf dem Marche Vernaison, dem ersten am Eingang, noch echte Funde machen kann, werden die anderen Märkte von festen Ständen dominiert, die zum Teil sogar mit Teppichboden ausgelegt sind. Es sind oft nur die Wochenend-Filialen der Pariser Händler. Jedes Stück, das hier verkauft wird, geht durch viele Hände, bevor es seinen endgültigen Besitzer findet. Entsprechend sind die Preise.
Jüngst wurden die Märkte Paul Bert und Serpette für eine Summe von insgesamt 51 Millionen Euro an die englische Firma "Grosvenor Continental Europe" und die französische "Solal Conseil Developpement" verkauft. Das sorgte allerdings nur kurz für Aufregung, denn das Areal hat immerhin seit 1989 schon vier Mal den Besitzer gewechselt.
80 Prozent der Käufer kommen aus den USA. Für sie gibt es seit kurzem "accompagnateurs", Begleiter oder "Spürhunde", wenn man so will. Die Großeinkäufer verschiffen ihre Funde mit Containern. Dennoch: Auch dem Flaneur mit kleinem Portemonnaie bieten die "Puces" etwas - on ne sait jamais. JOACHIM HAUSCHILD
Internet: www.parispuces.com
Bild(er):
Bild: Auf den 15 Flohmärkten an der Metrostation Porte de Clignancourt kaufen heute hauptsächlich Amerikaner ein
